Genuss
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Talking about Wein

Neulich, bei einer sogenannten „Wein-Release-Party“ in einem gehobenen Feinkostladen. Um mich herum standen ein Haufen selbsternannter Weinkenner, die nach Anmoderation des jeweiligen Weins ihre Nasen in den Gläsern versenkten, die Gläser so fachmännisch schwenkten, dass eine Zentrifuge neidisch wäre und den Wein dann andächtig runterkippten, nur, um ihn dann mit ausgesuchtem Weinvokabular zu beschreiben. „Dank des Barriquearomas sehr würzig“, „Im Abgang ein deutlicher Geschmack von Pfirsichen“ „eine vielseitige Rebsorte die von den Schieferböden profitiert hat“. Niemand kann mich glauben machen, dass die hundert Hanseln da alle wussten, wie Schieferboden im Wein schmeckt. Aber praktischerweise stand das auf dem zum Wein gereichten Flyer, der das Weinaroma beschrieb. Ich will nicht abstreiten, dass ein geschulter Geschmackssinn das kann, aber wem es um Geschmack geht, der stürzt nicht von jedem der sechs Weine ein großes Glas herunter und ist beim fünften so blau, dass geschmacklich nur noch „Noooooch eens, büdde!“ hängenbleibt.

Wein muss nicht immer zuckersüß sein

Ich mag Wein sehr gerne. In meiner Karriere als Weintrinkerin habe ich viele Stufen durchlaufen: Von meiner ersten Liebe zu peppsüßen weißen Panschweinen, die schreckliche Kopfschmerzen verursachten, über trockene billige Weißweine, die leider auch Kopfschmerzen verursachten bis hin zu pfurztrockenen roten Weinen in einer höheren Preisklasse, die erst ab bedenklichen Mengen Kopfschmerzen verursachen. Inzwischen habe ich sogar mein Weißweintrauma hinter mir gelassen und traue mich wieder an spritzige Rieslinge, die mich angenehm überraschen. Wenn ich richtig übermütig bin, trinke ich Chablis, der mich zwar geschmacklich an Heu erinnert, aber an leckeres saftiges Heu, das ich gläserweise konsumieren möchte. Aber bei aller Liebe zu Wein, ich habe nie gelernt mich im richtigen „Weinsprech“ auszudrücken. Seit ich bei der einzigen Weinprobe meines Lebens war, beschreibe ich einfach jeden Riesling, denn ich trinke als „ausgesprochen mineralisch“, was mir bewundernde Blicke einbringt und die Bestätigung, dass es die anderen es nicht unbedingt besser wissen.

Schmeckt es?

Heimlich dachte ich aber: Wenn ich Wein wirklich mag und gerne trinke und manchmal  sogar Fachrtikel darüber lese (*hust*, Nerd!), dann sollte ich doch verdammt noch einmal in der Lage sein, mich wie ein Sommelier auszudrücken. Oder zumindest wie ein Sommelier in Ausbildung. Wer mit dem Begriff Sommelier nichts anfangen kann: Der Begriff bezeichnet eine Person, die in der (meist sehr gehobenen) Gastronomie Gäste bei ihrer Weinauswahl berät und oft auch für den Einkauf zuständig ist. Ich sollte als Amateur-Sommelier in der Lage sein, die Pfirsich- und Beerennoten in Weinen herauszuschmecken, die Asche, die Eiche und den Schiefer sowieso. Ingesamt sollte es doch möglich sein, ein differenzierteres Urteil abzugeben als „Lecker!“. Eines Abends, bei einem Glas Wein, schilderte ich einem Freund mein hausgemachtes Dilemma. Besagter Freund war eine prima Anlaufstelle, da er sich gut mit Wein auskennt und den Weinsprech beherrscht. Er sah mich an, seufzte und gab mir einen wirklich guten Ratschlag, der sinngemäß folgendermassen lautet: Entweder es schmeckt dir oder es schmeckt dir nicht. Ob ein Wein ein beeriges Aroma hat oder nach Ananas, Vanille oder Eichenfass schmeckt, das erkennen die meisten erst nach einer Schulung ihres Gaumens. Für den Anfang sollte ein Wein schmecken. Darauf aufbauend kann man einige Vokabeln wie „spritzig“, „schwer“, „süffig“, „mineralisch“, „säuerlich“, „leicht“ oder „trocken“ einbauen. Und das reicht erst einmal für einen Abend mit Freunden und eine Flasche Wein.

Photo by Jp Valery on Unsplash

3 Kommentare

  1. redhairmoe sagt

    Das gilt übrigens auch für Bier. Deswegen mag ich es gerne Desserts mit Alkoholika zu kombinieren, es macht einfach Spass Früchte/Schoki/Kaffee etc. aus Alkoholika rauszuschmecken, ich freu mich immer wenn ich was erkannt hab.
    Lieben Gruss, redhairmoe

    • Marla Stromponsky sagt

      Ich gebe es an dieser Stelle übrigens auch gerne zu: Ich liebe Schnapspralinen. Und Vanilleeis mit Eierlikör.

  2. jutta sontopski sagt

    Natürlich, Vanilleeis mit Eierlikör und ! – Schlagsahne.
    Agnieszka Stromponsky.

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