Genuss, Land
Kommentare 6

Im Urlaub mit einem Foodie

Urlaubsanekdoten Foodie

Es gibt drei Dinge, auf die ich mich in jedem Urlaub freue: Leckere lokale Cuisine auszuprobieren. Mildes Day Drinking.  Und stundenlang alle Regale im Supermarkt inspizieren und entscheiden, welche der dargebotenen Produkte einen Platz in meinem Koffer verdient haben.

In manchen Urlauben (Eine Woche Korfu in einem verschnarchten Fischerdorf ohne Busanbindung und mit Mini-Supermarkt) ist das einfach, weil es wenig Optionen gibt. Mein diesjähriger Sommerurlaub war dagegen eine Herausforderung: Sardinien, Amalfi-Küste und Neapel bedeutete drei verschiedene Ziele und das hieß so viel wie dreimal verschiedene lokale Spezialitäten ausprobieren, dreimal im Supermarkt den Kopf zerbrechen, dreimal verzweifeln, weil ich es wieder nicht geschafft hatte mich durch die gesamte lokale Speisekarte zu fressen.

Aller Anfang ist gut

In Sardinien war noch viel Platz in meinem Koffer, also war ich übermütig und kaufte Eukalyptushonig, Dosentomaten (fragt nicht) und natürlich Fregola Sarda, die einheimische Nudelspezialität. Entgegen meiner Annahme, dass es in Sardinien keine gute Pizza gäbe, aß ich sehr gute Pizza mit Kapern und Anchovis und entdeckte, dass die Pizza dort im praktischen Quadratformat kommt und mittig umgeklappt wird, so dass ein Pizzasandwich entsteht. In Villiasimius aß ich abends Gelato mit Myrtegeschmack, sowieso schien alles in Sardinien auch in der Geschmackssorte Myrte zu existieren, eine Geschmackssorte, über die ich mir bis dato nie Gedanken gemacht hatte. Das Eis war sehr lecker, deswegen aß ich danach gleich noch eine Kugel Birne-Ingwer. Diese war auch so hervorragend, dass ich nun vermutlich Eis in Deutschland nie wieder so geniessen kann, wie vor meinem Urlaub. Ich dachte mir, dass ich jeden Abend, so wie an diesem, einen Spaziergang unternehmen sollte und kugelweise Gelato schlotzen, denn das musste es sein, dieses dolce vita, von dem alle immer sprachen. Am nächsten Tag, nach einem Bootsausflug, aßen wir auf dem Fischerboot eine ehrliche Fischersmahlzeit: Pane Carasau, Sardisches Knusperbrot, als Vorspeise, Pasta mit Tomaten und fangfrischen Langusten als ersten Gang und als Hauptgang, weil es so schön und lecker war, gleich noch einmal fangfrische Langusten, nur diesmal gegrillt. Da war es schon wieder, dieses Gefühl von dolce vita.

Più Bella Cosa

In Cagliari, das ja immerhin die Hauptstadt von Sardinien ist, pilgerten wir als echte Junkies für die Mittagspause selbstverständlich in die Bäckerei, welche den Preis für das beste Sandwich Italiens gewonnen hatte. Eine ganz normal aussehende Bäckerei in einem ruhigen Wohngebiet und drinnen, bäm, ein Sandwichhimmel. Weil die Besitzer sehr schlau sind, bieten sie auch sehr kleine Mini-Sandwiches an, denn so kann man viel mehr ausprobieren. Danach war ich in einer sehr gnädigen Stimmung, zündete in der Kirche bei der schwarzen Madonna Kerzen an und aß noch schnell zwei Kugeln Gelato, bevor wir die 13 Stunden lange Überfahrt nach Neapel antraten. Zum Glück hatte ich mir ein Sandwich aus der Bäckerei als Proviant mitgenommen, dass ich abends voller Genuss kaute, während ich den Sonnenuntergang durch das Bullauge unserer Kabine verfolgte.

Parla con me

An der Amalfiküste, oder besser gesagt, auf der Sorrentischen Halbinsel, die einen Steinwurf davon entfernt liegt aber wesentlich erschwinglicher für arme Schlucker ohne Yacht ist, übernachteten wir in einem Zitronenhain. Ausgehungert wie junge Wölfe wanderten wir am ersten Abend zwei Kilometer zum nächsten Supermarkt und ich ließ mich an der Theke beraten, welche Salami und welcher Käse meinem Gaumen am besten zusagen würden. Da ich hauptsächlich portugiesische und französische Satzfetzen zusammensetze, wenn ich versuche auf italienische zu kommunizieren  und nur ab und zu ein „Alorrra“ oder „Bellissima!“ einbaue, zog sich die Beratung ein wenig in die Länge, war dafür aber umso herzlicher, weil ich viel verkosten durfte.

Un’emozione per sempre

MeinFrühstück, sowohl in Sardinien wie auch im Zitronenhain, bestand wie in ganz Italien aus vielen süßen Teilchen und Kuchenstücken, es gab selbstgemachte Limetten-, Orangen- und Zitronenmarmelade und natürlich viel Kaffee. Als Zugeständnis an spartanische deutsche Mägen wie den meinen wurde im Zitronenhain goldenes, buttriges Rührei von den freilaufenden Hühnern angeboten und ich schlang davon jeden Morgen rauhe Mengen hinunter und freute mich schon auf den nächsten Morgen. Auch das ist Dolce Vita. Abends wurde uns ein Zitronenrisotto serviert, an dem sich von nun alle Zitronenrisottos messen müssen, denn es war wunderbar cremig, mit genau der richtigen Menge an Zitrone und sehr viel Butter. Zum Abschluss des Menüs wurde, wie in Sardinien und gegenüber auf dem Festland so üblich, das Tablett mit dem Grappa und Limoncello aufgetragen und jeder trank ein Gläschen Limoncello, der bestimmt sehr gut war, aber für mich immer nach Klowasser schmeckt. Und weil es so schön war und man ja die einheimischen Spezialitäten probieren möchte, tranken wir alle noch ein Gläschen Grappa, und dann noch eins, auf die Freundschaft.

Una storia importante

In Neapel, auf der Suche nach der besten Pizza, denn natürlich mussten wir Pizza Margarita in Napoli essen, schickte uns Google zu „Sorbillo„, dort sollte es die beste Pizza der Welt geben. Da wir uncool sind, kamen wir glücklicherweise genau zu dem Zeitpunkt an, als der Laden aufmachte und ergatterten noch einen Tisch. Die Pizza war hervorragend und preisgünstig, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob sie wirklich von allen Pizzen in meinem Leben die allerbeste war. Beim Rausgehen sahen wir eine lange Schlange vor dem Lokal und beglückwünschten uns, dass wir uncool waren und bereits um 19 Uhr Bock auf Abendessen hatten. Ich aß schnell noch eine Kugel Gelato mit Meersalz-Karamell Geschmack und überlegt trunken vor Gelato, den Besitzer der Eisdiele zu heiraten, weil sein Gelato verboten gut war. An unserem letzten Abend in Neapel schickte uns Google in das Restaurant, in dem es das angeblich beste Ragù von Neapel und sogar vielleicht Italien geben sollte. Da ich eine große Freundin des Ragù bin und leicht obsessiv viele Stunden damit verbringen kann, das beste Ragurezept der Welt zu erkochen, war ich gespannt wie ein Flitzebogen. Dann beging ich allerdings einen großen Fehler. Siegesgewiss, dass sich mein mickriges Magenvolumen nach 13 Tagen Italien endlich an das gängeweise Auftafeln von Speisen gewohnt hatte, bestellte ich zwei Gänge. Und weil die Kellner durcheinander kamen, wurde mir erst der zweite Gang serviert, das gegrillte Schweinekotelett von einer uralten italienischen Schweinerasse, deren Name ich leider vergessen habe. Das Kotelett war knusprig und lecker und nach der Hälfte entdeckte ich, dass ich danach satt sein würde. Niemals würde ich noch eine Portion Ziti mit Ragù verputzen. Leider war es zu spät die Bestellung zu stornieren und so lief ich anschließend mit einer großen Plastiktüte durch das nächtliche Neapel, in dem mein Ragù sorgfältig verpackt war. Da wir am nächsten Morgen sehr früh zum Flughafen mussten, hatte ich keine Gelegenheit meine Nudeln zu essen. Also verpackte ich sie in zwei weitere Plastiktüten und verstaute alles in meinem Koffer. Wider jeglicher meiner Erwartungen lief es nicht aus, es gab keine Beanstandungen von Seiten der Fluggesellschaft und, und das war die größte Überraschung von allen, es schmeckte aufgewärmt immer noch hervorragend. So ist das eben, wenn man als Foodie Urlaub macht. Chiao!

6 Kommentare

  1. Was für ein schmackhafter Einbruch in meinen achso alltäglichen Bürotag! In 2 Wochen Malta- just doing the same…Danke für den Vorgeschmack!

    • Marla Stromponsky sagt

      Ja, durch Zufall im Sardinienforum darauf gestoßen und am gleichen Tag ausprobiert. Ich hatte zwar nicht das berühmte Panino, aber die anderen waren alle hervorragend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.