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Tumblr was my first love: Pt. II

Aus der Plattform Tumblr hat sich eine eigene Kultur entwickelt, die inhaltlich und visuell zur spannendsten gehört, was sich im Internet finden lässt. Für alle von Euch, die auf der Suche nach tollen und interessanten Blogs sind, hat Annekathrin Kohout bereits im ersten Teil von Tumblr was my first love eine großartige Auswahl ihrer Lieblinge präsentiert. Heute geht es weiter mit dem zweiten Teil. Eins ist klar: Weirder geht immer!

Für Kuratoren

kuratoren_tumblr

Auf dem Tumblr La Petite Mort Gallery kuratiert der kanadische Galerist Guy Berube die Arbeiten seiner Künstler unter Fundstücke aus dem Internet. Leicht martialisch, aber oft mit überraschendem Bildmaterial.

Auf I am Curating werden hingegen Ausstellungssituationen animiert. Leider ist der Tumblr nicht mehr sehr aktiv, sodass man gleich ins Jahr 2014 scrollen muss, um die interessanten Gifs zu sehen. Das dauert aber nicht sehr lange.

Eine richtige Tumblr-Ausstellungsplattform betreibt das Marina Abramovic Institute mit MAI+t. Hier bespielt seit 2013 monatlich ein neuer Künstler den Tumblr mit seinem eigenen Bildprogramm.

Für Männer, die Männer lieben

Men tumblr

Und natürlich genauso für Frauen, die sich liebende Männer lieben. Keine Zensur bedeutet zum Glück nicht nur viele Brüste, sondern auch viele Penisse. Die sind vor allem dann gut in Szene gesetzt, wenn sie von homosexuellen Männern gepostet werden. Oft schwanken Tumblr-Blogs wie Tiziano oder Herrensauna atmosphärisch zwischen sinnlich und heftig, intellektuell und trivial.

Für Anhänger des sex-positive Feminist

Feminismus Sex Tumblr

Vielleicht ein bisschen zu programmatisch und direkt ist Grrrls in their Underwear. Trotzdem interessant, weil es die populären und wichtigen Bilder der Szene versammelt. Viel intimer und persönlicher ist hingegen Sass and Curves. „Sassy“ ist ganz direkt, was ihre sexuellen Vorlieben (BDSM) betrifft und ihre Selbstportraits sind gerade wegen ihrer Kurven so aufregend.

Für Grenzgänger

Grenzgänger Tumblr

Wem es nicht pornografisch und gewaltsam genug sein kann, hat wahrscheinlich Spaß an Annabelle Hector, die ihrem Namen alle Ehre macht. Und wer seine Schaulust nur schwerlich befriedigen kann ist bei dem ukrainischen Tumblr idiod genau richtig.

P.S.: Wie das bei Tumblr so ist: von dort aus geht es weiter in immer tiefere Gefilde (folgt den Reblogs).

Für Entdecker

Eine echte Wunderkammer ist das Wunderwarburgnetz. Der Name verweist schon auf eine freie kulturwissenschaftliche Ambition und tatsächlich findet hier jeder, der sich für Wunderkammern oder Ordnungssysteme interessiert, hilfreiches und zum Teil seltenes Material.

Auch Transoptics ist vage im Bereich der wissenschaftlichen Abbildungen angesiedelt. Daneben gibt es aber auch Architektur, alte Gemälde und Fotografien, die in ihrer Konstellation immer wieder neuen Sinn stiften.

Alte – aber auch neue – Illustrationen, Comic-Strips oder Buchcover kann man zum Beispiel auf Sweet the Sound entdecken.

Eine relativ spezielle Fundgrube für Popkultur ist Anachronic Soul. Dort findet man zum Beispiel das japanische „Twin Peaks“-Cover und Gifs aus dem Teenie-Film „Breakfast Club“.

Für Fotografen und Designer

Fotografie

Es gibt unzählige fantastische Portfolio-Tumblr-Blogs von Fotografen und Designern. Manchmal sind es sogar zu viele. Hierfür zitiere ich gerne Vivian Fu:

„Sometimes I look at all the work around me and i’m so inspired and it pushes me to work harder or to try new things and break out of my shell or to make work even if i don’t view it as being “my work” but just to try it and to have fun and not have to think about it. But then other times i’m just like HOLY FUCK WE ARE USING THE SAME CAMERA AND THE SAME FILM HOW DID YOU GET THAT CLARITY HOW THE FUCK DID YOU GET THOSE COLORS OMG I FUCKING HATE YOU.“

Daher verweise ich am besten gleich auf Netzwerke oder Magazin-Seiten. Für Designer gibt es das mortem Network, von dort aus kommt man auf ausgewählte Tumblr-Blogs im Bereich Design, Fashion und Kunst. Zu diesen Themen gibt es auch bei Erik Watier spannende Fundstücke.

Fotografen können sich hingegen auf Wandering Bears oder Aint-Bad Magazine umschauen und dort sogar eigene Bilder einschicken.

Am besten kuratiert jedoch stuff and son enterprises Fotografien, oft auch zusammen mit Musik.

Für Konzeptuelle

konzeptuell Tumblr

Der Tumblr The Leo is all in the mind macht sich den Infinite Scroll zunutze. Bilder werden so arrangiert, dass sie farblich ineinander übergehen. Das wird jedoch erst beim Scrollen erfahrbar. Ein toller Effekt, an dem man sich aber auch schnell satt sieht.

Anders bei dem Tumblr I’m Google, der eine Art „stream-of-consciousness“ darstellt und ein bisschen an frühe Arbeiten von Peter Piller erinnert. Jedes Bild ist auf Google Bilder-Suche verlinkt und zeigt weitere optisch ähnliche Bilder an.

Reblogs or Context is the New Content macht Gifs aus den Screenshots besonders oft rebloggter Bilder. Der Name ist Programm.

Und noch ein paar Lieblings-Tumblr

Lieblings Tumblr

Tolles Webdesign, irre Bilder und einen Katzen-Chat hat Handlegs. Wer sich für Food Photography interessiert sollte unbedingt Fooderotic besuchen. Und Clemens Setz gebe ich als Literaturempfehlung ab („The Secret“ übermalt und besser gemacht). Schöne Frauen schaue ich mir auf Visual Ekstasis an und (post-)internet-Art bei Mentalcrusher.

Mit unter den ersten Tumblr-Blogs, denen ich folgte, war Nico Icon und Amalgammaray und ich besuche sie noch immer.

Annekathrin Kohout ist freie Autorin und schreibt über Popkultur, Internetphänomene und Kunst – meistens auf ihrem eigenen Blog „Sofrischsogut“. Außerdem fotografiert sie: am liebsten Autoscheinwerfer, Essen und sich selbst. Ihr findet sie außerdem bei Twitter als @kohout_a und bei Instagram als @kohout.

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