Land, Nora die rasende Reporterin
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Nora reist: durch Schottland

Nach all der Entspannung im Balkonien-Urlaub mit Marla  stand mir der Sinn dann doch noch nach ein wenig Abenteuer. Also schnürte ich Rucksack und Wanderschuhe und reiste nach Schottland, um Glasgow, Moor und Küste zu erkunden. Eine Woche spontan organisierter Erlebnis-Überschuss inklusive Blitzbewältigungskurs aller möglicher Neurosen von Flugangst über Bootsfahrangst bis Angst vor großen Tieren liegen hinter mir. Ich habe Rehe, Rinder und Delfine gesehen, bin durch menschenleere Moore gewandert und habe in einem alten Pfarrhaus neben dem Friedhof übernachtet. Es war famos.

Wenn man sich erst einmal darüber im Klaren ist, dass man in einer Woche Urlaub Wandern, Städtetrip, Erholung am Wasser und ausgiebiges Kulturprogramm – kurz also: Alles! unterbringen möchte, geht man gleich viel gelassener an die Planung. In kühner Willkür wurden also zunächst Unterkünfte an attraktiven und gut per ScotRail erreichbaren Orten gesucht. Die Herberge in Rannoch, gelegen in den Mooren der schottischen Highlands, lockte mit dem Versprechen „total isolation“. Das lässt man sich nicht zweimal sagen: Null Funkempfang, null Internet, eine Bahnstation, sechs Einwohner. Ein Traum, stundenlang durch die struppig-wilde Moorlandschaft zu wandern und nicht einem einzigen Menschen zu begegnen. Dafür aber dem einen oder anderen Reh oder Hirsch.

Zurück in der Zivilisation bot Oban an der schottischen Westküste maritime Reize. Das etwa 8000 Einwohner beherbergende Städtchen ist zum einen beliebtes Ferienziel der Generation 60+, zum anderen idealer Ausgangspunkt für Ausflüge auf die vielen vorgelagerten Inseln. Bereist wurden: Staffa (Unbewohnt. Interessante sechseckige Vulkansteinformationen. Kampfjets der Royal Air Force im Tiefflug. Halber Herzkasper. Sehr hübsch.), Iona (Die heilige Insel. Hier liegen diverse schottische Könige begraben. Zuletzt Macbeth. Ja, der aus Shakespeare. Wohl auch beliebtes Ausflugsziel für christliche Jugendreisegruppen. Abtei.) und Kerrera (Winziges Eiland mit zum Niederknien schöner Burgruine in einer märchenhaften Bucht, die nach zwei Stunden Fußmarsch und Überwindung mehrerer Schaf- und Rinderherden erreicht ist.)

Ausgangs- und Abschlusspunkt der Reise: Glasgow. Leider blieb angesichts vierstündiger Flugverspätung bei der Hinreise und ausführlicher Begutachtung der Arbeitermustersiedlung New Lanark südöstlich von Glasgow am Tag vor der Abreise (Ja, ich hege eine ebenso heimliche wie flammende Leidenschaft für die Lebensumstände des Baumwollspinner-Proletariats im späten 18. Jahrhundert sowie für imposante Backsteinsiedlungen und -fabrikanlagen) letztlich wenig Zeit, Schottlands größte Stadt eingehend zu erkunden. Dies sollte bei neuerlicher Gelegenheit unbedingt nachgeholt werden.Treffsicher dafür auch hier die Wahl der Unterkunft: Ehemaliges Pfarrhaus inklusive Türmchen, Erkern und Wendeltreppe direkt neben dem viktorianischen Friedhof Necropolis, der sich hinter dem Pariser Kollegen Père Lachaise durchaus nicht zu verstecken braucht. Erklimmt man den Hügel, auf dem er thront, stilecht in der morbiden Stunde des Sonnenuntergangs, bietet sich von hier aus ein ergreifender Blick über die Stadt. Noch ergriffener war ich während der gesamten Reise wohl nur, als ich einer der sich harmonisch ins Glasgower Straßenbild einfügenden blauen Police Boxes gewahr wurde. Doctor-Who-Fans wissen warum.

 

 

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