Arbeitswelt, Digitales Leben
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Leb Deinen Traum und gib nicht auf

lebe deinen traum

Reden voller Pathos finde ich eigentlich nur in Hollywood-Produktionen wie „Armageddon“ gut, wenn der Held (es ist immer ein Mann) drei Sekunden vor dem Ende der Welt Zeit findet eine zehnminütige pathetische Rede über die Lage der Nation und seine Gefühle zu halten, untermalt von dramatisch anschwellender Geigenmusik. Deswegen versuche ich den nun folgenden Beitrag trotz des verfänglichen Themas „Lebe Deinen Traum“ möglichst pathosfrei und real zu halten.

Letztes Wochenende saß ich in meiner Küche und überlegt, ob heute ein guter Abend wäre, um endlich einmal wieder „Armageddon“ anzuschauen. Ich hatte das Gefühl, dass mir der Sommer einiges abverlangt hatte und ich mein Gehirn in Berieselungsmodus schalten sollte. Von Sommerurlaub keine Spur – stattdessen #workworkwork. Und das ist auch gut so.

Ich erinnere mich noch, wie ich nach dem Studium etwas dumm aus der Wäsche geguckt habe als ich mir überlegte „Was nun?“ Was wollte ich denn eigentlich werden? Welches war der richtige Beruf für mich? Mein Studium hatte mich zwar den Unterschied zwischen Strukturalismus und Post-Strukturalismus gelernt, aber nicht, wie ich mein erworbenes Wissen in der „richtigen“ Welt zur barer Münze machen konnte. Ideen hatte ich viele, denn zum Glück bin ich mit einer ausufernden Imagination gesegnet: Ich würde gerne Buchautorin werden. Und ein supercoolen abwechslungsreichen Job haben, in dem ich viele interessante Menschen treffe. Ich würde gern mein Ding durchziehen, nach meinen Regeln leben und nie aufhören Neues zu lernen. Leider hatte mir niemand beigebracht, wie ich eben schnell Autorin werde. Oder eine dermassen coole Person, dass mich andere dafür bezahlen, dass ich coole Dinge für sie mache.

Hier kommt der Pathos ins Spiel, denn mir wurde vor kurzem, also an besagtem Abend, klar, dass ich mittlerweile, wie es so schön und abgehalftert immer heißt, „meinen Traum lebe“. Also zumindest teilweise. In meinem Traum schimmelt mein Bad nicht und auf meinem Bankkonto parken einige Millionen Euro so entspannt wie ein roter Vintage Mustang vor meinem Haus, aber im großen und ganzen bin ich fast angekommen. Ich habe ein Buch geschrieben. Ich kann zumindest teilweise selbstständig coole Dinge für coole Personen machen. Manchmal gibt es sogar Geld dafür. Und ich habe noch trölftausend Ideen, die ich umsetzen möchte und endlich die Stadt, das Netzwerk und die Energie, um sie zu verwirklichen. Mein Leben ist also ein Träumchen. Dieser Erkenntnis hat mich nachhaltig geschockt, weil ich eine Person bin, die grundsätzlich immer alles schwarz sieht. Mein Glas ist aus Prinzip immer halb leer und wenn mir das Leben Zitronen gibt, habe ich bestimmt keinen Zucker im Haus und kann deswegen keine Limonade machen. Meine Arbeitsethik ist dazu ganz schön calvinistisch und das, obwohl meine Eltern aus der Kirche ausgetreten sind, ich nie den Religionsunterricht in der Schule besucht habe und lediglich eine „Best of“-Kinderbibel gelesen habe.

Ich könnte bis heute bis niemanden sagen, wie man denn verdammt noch einmal seinen Traum lebt. Ich halte nichts von Motivationstrainern und Selbsthilfeliteratur zu den Themen und wenn ich die modernen Sehnsuchtsfantasien von „Digital Nomads“ höre, die ja auch alle ganz toll ihren Traum leben, dann muss ich mich immer leicht krümmen. Aber ich weiß, dass es irgendwie so funktioniert: Im einen Moment sieht alles furchtbar düster und schwer aus und man weiß überhaupt nicht richtig was man tun, geschweige denn, dass man einen Plan hätte. Und dann ist es plötzlich Jahre später und irgendwie hat alles geklappt. Weil man sehr oft „Ja, ich komme gerne / Ja, das mache ich gerne / Nein, das ist überhaupt kein Problem“ gesagt, den Arsch aufgerissen und improvisiert hat. Tatsächlich kommen Dinge ins Rollen, wenn man anfängt sich für etwas zu begeistern. Ich habe angefangen zu bloggen und dadurch angefangen mich für den Code hinter dem Blog zu interessieren. Dann habe ich mir überlegt, wie ich das auch lernen kann. Dann habe ich das gelernt und gedacht: Das könnte zusammen noch viel mehr Spaß machen. Und dann waren wir auf einmal die Code Girls. Und dann passierten noch viele andere Dinge. Zwischenzeitlich gab es Zeiten, in denen ich geflucht habe, alles hinschmeißen wollte und meinen Kummer in einem großen Glas Wein ertränken musste während ich Deprimusik hörte und mich selbst bemitleidete. Es war nicht schön, aber notwendig, denn irgendwann kotzt mich Selbstmitleid so an, dass ich mich wieder aufraffe aktiv zu werden. Das womöglich schwierigste daran, seinen Traum zu leben, ist nämlich die Hoffnung auf das Happy-End nie aufzugeben, egal wie viele Stöcke einem das Leben zwischen die Beine schmeisst.

 

 

1 Kommentare

  1. Agnieszka Stromponski sagt

    Liebe Marla, eine sehr gelungene Beschreibung des Lebens, finde ich.. Es war schon immer so, und in der Zukunft erleben Generationen das Leben wieder genau so. Es gibt Tage ,da möchte man schreien, hauen oder vom Turm der Stadt auf die Pflastersteine springen. Und ich wünsche jedem vom ganzen Herzen etliche solche Momente. Erst nach dem man sich ALLES und ALLE in die Hölle gewünscht hat, ist das Leben wieder leichter, die selbstinszenierten Dramen sind vergessen und der Kopf luftig. Dann gelingt wieder Einiges, Ideen werden in Taten umgesetzt, Sonne scheint 24 Stunden am Stück. Gigantisch. Bis wir erneut vor dem Turm der Stadt stehen und uns fragen:“Schreien? Hauen? Oder auf die Pflastersteine?
    Küßchen, Mama.

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