Beste Freunde, Garderobe, Leipzig
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How To Be eine Hypezigerin

Hypzigerin

Letzten Monat, auf der Geburtstagsparty einer Freundin, wir tranken Sekt und aßen Quiche und weil es so nett war, tranken wir noch ein Gläschen Sekt. Irgendwie kamen wir von Feminismus und falschem Perfektionismus auf das literarische Meisterwerk „How to be a Parisian“ und wie lächerlich diese Hype-Vorstellungen um das wundersame Leben der Pariserin seien. Das Buch ist vor allem eins: schnarchend langweilig. Da Leipzig ja, laut Goethe, auch ein „Klein Paris“ ist,  beschloss ich auf der Stelle ein „How To Be eine Hypzigerin“ zu verfassen. Also anschnallen, hier kommt investigativer Journalismus, nach dem Euch die Ohren schlackern werden.

Pariserinnen sind chic, sexy, tragen ein Baguette unter dem Arm sowie ein kleines Schwarzes am Leib und sind ganz wild auf Lingerie, gestreifte T-Shirts und Champagner. Wir Hypezigerinnen dagegen favorisieren den Style „Altkleidersammlung meets 90er“, tragen ein Sterni in der Hand und sind ganz wild auf Klamotten, in denen wir uns  auf unser Rennrad schwingen können. Unterhosen kaufen wir im Dreierpack bei H&M oder Tchibo. Spoiler: Es ist sehr viel kostengünstiger eine Hypzigerin als eine Pariserin zu sein.

Hypzig Liebe

Liebe

Die Pariserin geht nicht ans Telefon, wenn ER anruft, weil sie sich rar macht. Solche und andere Flirtspielchen sind anscheinend Teil ihrer Anziehungskraft. In Hypzig ticken die Uhren etwas anders. Zunächst einmal: Es ist 2017, da geht die Hypezigerin aus dem einfachen Grund nicht ans Telefon, weil texten das neue telefonieren ist. Sie träumt davon, die große Liebe in der Schlange am Supermarkt zu treffen, bis dahin sucht sie auf Tinder, OkCupid und Konsorten. Statt großer Liebe ist das aber oft nur ein Wulst an Textnachrichten, die nirgendwohin führen, weil sich die Hypezigerin nicht entscheiden kann. Aus lauter Frustration flirtet sie kurz mit Polyamourie und Sapiosexualität, landet aber schlussendlich wieder beim heteronormativen Standardschema. Denn tief im Herzen träumt sie von der gemeinsamen 4-Zimmer-Altbauwohnung mit Eames Chairs, anthrazitfarbenen Wänden, um den Kontrast mit dem weißen Stuck zu brechen und ganz viele Pflanzen. Sonntag dann händchenhaltend über den Flohmarkt schlendern und intellektuelle Diskussionen über gegenständliche Kunst und Neo-Marxismus führen, nachdem man die Samstagnacht zusammen durchgetanzt hat. Und abends zusammen auf dem Sofa kuscheln und zusammen über die neue Folge des Tatorts lachen.

Ihr Flirttipp: Ein bisschen Summer, ein bisschen Penny Lane, ein bisschen Techno. Ihr Vorschlag für das erste Date: Sommernächte bei einer illegalen After-hour irgendwo im Wald durchtanzen, Wein trinken im Clara Park oder Sekt bei einer Vernissage.

Stil

Hypezig Stil

Im Gegensatz zu den Pariser Damen, die anscheinend kein Schmerzempfinden kennen, trägt die Hypzigerin keine High Heels.  Sie mag es gemütlich, zum Beispiel „The Internationalist “ von Nike oder, noch besser, ugly sneakers im 90er Stil von Reebok. Grundsätzlich besteht kein großer Unterschied zwischen Hypezigerin und Berlinerin. Die Hypezigerin trägt die Trends lediglich 6-9 Monate später, so lange dauert es bis die Trends aus der Hauptstadt in Hypezig Fuß gefasst haben.

Das kleine Schwarze lässt sie im Kleiderschrank, sie trägt lieber oversized: Bluse, Mäntel, Pullis – alles am besten 2 Nummern zu groß. Dazu noch die obligatorische Momjeans, die so schön ins Bauchfett kneift, Haare zum Half Bun zusammenbinden sowie Make-Up großflächig vermeiden und fertig ist der Hypezig Style. Statt in Diamanten investiert die Hypezigerin lieber in Körperkunst und schmückt sich mit Tattoos, deren Krakeligkeit beabsichtigt ist. Ihre Klamotten kosten nicht viel Geld, weil sie natürlich, wie ganz Leipzig, kein Geld hat. Aber sie macht aus der Not eine Tugend und entwirft ihren „90s-Gedächtnislook-meets-Altkleidersammlung-meets-Skandinavien“-Style mit Shoppingtouren bei Monki, H&M, Zara und natürlich Humana und Flohmärkten. Auf Designerthandtaschen pfeift sie, die behindern nur beim Fahrrad fahren. Lieber einen pastelligen Fjäll Räven Rucksack, da passt auch ihr MacBook hinein. Oder einen bedruckten Turnbeutel aus Leinen, den sie beim letzten Westbesuch gekauft hat.

Lifestyle

Hypzig Wohnung

Hier nun endlich Parallelen zu den eleganten Gazellen aus Paris: Sowohl die Spezies Hypzigerin als auch die Spezies Parisien bevorzugt Altbauwohnungen. Nur wohnt Madame Paris da vermutlich alleine, die Hypzigerin stilecht mit einer WG. In allen Zimmern ist die Tapete abgezogen ist und die nackte Wand bildet einen minimalistischen Gegensatz zum Palettenbett. Während in Paris Antiquitäten in schicken Boutiquen gejagt werden und der 2500 Euro Teppich aus dem letzten Marokkourlaub stammt, durchkämmt die Hypezigerin eBay-Kleinanzeigen sowie natürlich einmal im Monat den Flohmarkt auf der Agra nach Mid-Century Sesseln und Schminkkommoden aus den 50er Jahren. In ihrer Wohnung trifft skandinavischer Minimalismus auf verträumten Kitsch. Was auf keinen Fall fehlen darf: Eine Monstera-Pflanze.

Statt in Auto investiert sie lieber in ein Vintage-Rennrad, denn egal ob es regnet, stürmt oder schneit, die Hypzigerin fährt mit dem Rad statt dem Taxi in den Club. Die Hypezigerin macht keine Diäten, aber sie ist an gesunder Ernährung interessiert und kauft  im Biomarkt ein. Sie ist ein Mädchen zum Pferde stehlen, dass auch gerne mal in einen Hamburger beißt – so lange er vegan ist.

Sozialleben

Die Hypezigerin findet man bei allen hippen Veranstaltungen: Small Talk haltend bei einer Vernissage auf der Eisenbahnstraße, Kunst bestaunenend beim HGB-Rundgang, Whiskey Sour trinkend in Plagwitz, Kaffee schlürfend im Café Kater und Pizza essend im Natalina. Die beste Version ihrer selbst hat am Montagmorgen fette Augenringe, weil sie das Wochenende im IFZ durchgeravt hat und sich nun an einer Flasche Mate fest hält während sie die zersausten Haaren zu einem messy Haarknödel dreht.

Doch natürlich ist ihr Leben nicht nur eine einzige Party, die Hobbies der Hypzigerin sind vielfältig, ihre Interessen weit gestreut. Ganz vorne dabei: Arthouse-Kino und Indie-Filmfestivals, obwohl sie heimlich auch gerne Serien wie „Stranger Things“ oder „Game of Thrones“ bingewatcht. Dann und wann kann man sie hinter dem DJ-Pult erspähen, wo sie Schätze aus ihrer Vinyl-Sammlung auflegt und alle mit ihrem unfehlbaren Musikgeschmack mitreißt. Diese und andere Momenten hält sie am liebsten mit ihrer Analogkamera vom Flohmarkt fest, die Fotos vom großen wilden Leipzig finden großen Anklang bei ihren 4000 Followern bei Instagram. Daheim kümmert sie sich am liebsten um ihren #urbanjungle und packt auch gerne mal das Strickzeug aus – Winter is schließlich coming!

Habe ich noch etwas vergessen? Was ist in Euren Augen total typisch Hypzigerin?

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