Beste Freunde, Frau Stromponsky sr.
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Fr. Stromponsky sr.: Alte Liebe rostet nicht

liebe happy end

Liebe Marla,

die berühmteste Liebesgeschichte ist zweifellos die von Romeo und Julia.
Zwei Liebende dürfen nicht heiraten, weil sie verfeindeten Familienclans angehören. Kein Happy End also, im Gegenteil, eine Tragödie. Beide begehen Selbstmord. Daraufhin verfällt ganz Verona in Trauer und Tränen. Bis heute ganz großes Kino!
Wie an diesem Beispiel erkennt, war die Liebe in so jungen Jahren (Romeo und Julia waren noch nicht einmal zwanzig) oft mit viel Herzschmerz verbunden. Und das Dilemma währt bis heute. Auch im Jahr 2017 wollen Eltern ihre Sprösslinge standesgemäß unter die Haube bringen. Guter sozialer Status und finanzielle Sicherheit ist für viele immer noch von großer Bedeutung.

Manchmal wird es viel leichter, wenn der Amors Pfeil einen im fortgeschrittenen Lebensalter trifft. Es entfällt das Veto der Eltern und das Gerede der nächsten Verwandten prallt von einem ab wie die Wassertropfen von einer Lotosblüte. Mit der folgenden Geschichte möchte ich allen, die in jungen Jahren keinen Partner für soziale Auseinandersetzungen (auch bekannt als Liebe) gefunden haben Mut machen. Vielleicht liegt das Finden noch vor Euch?

Konrad ist seit fünfundzwanzig Jahren ein guter Freund unserer Familie. Im Mai haben wir in seinem Garten, unter einem riesigen Walnußbaum, seinen 89. Geburtstag gefeiert. Konrad servierte selbstgemachten Flammkuchen mit Birne und Schimmelkäse, das Wetter war ausnahmsweise trocken und nicht zu heiß. Es war ein schöne Abend gefüllt mit Gesprächen und gutem Wein. Aber jemand fehlte: Luise, Konrads große Liebe.
Alles begann im September 2015. Konrad war gerade auf dem Rückweg vom 60. Geburtstag seines Sohnes aus Berlin, wie immer per Fahrrad, seit Jahrzehnten sein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. In Naumburg machte er Rast, um zu Übernachten. Genau wie Luise, die mit zwei Freundinnen die Stadt besuchte. Sie kehrten, genau wie Konrad, im „Alten Krug“ ein. Am nächsten Morgen lernten sich die vier Reisenden im Frühstücksraum kennen. Alle Tische waren belegt, nur am Tisch der Damen, die auf dem Weg nach Hamburg waren, war noch ein Platz frei. Von da an lief alles wie am Schnürchen: Man verstand sich auf Anhieb und Konrad lud die drei Damen spontan zu sich ins Schwabenländle ein. Und das mit 87 Jahren. Liebe Leser, lernt aus diese Geschichte, schnelles Handeln bringt schnelle Erfolge!

Natürlich fand Konrad Luise, die 75 Jahre Lebenserfahrung hat, sofort toll, traute sich aber nicht, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Sie blieben erst einmal per Internet im Kontakt. Es war ein reger Gedankenaustausch, über Musik, Kunst, Bücher und das Leben. Sie verstanden sich immer besser. Im April 2016 war es dann so weit. Das weibliche Trio aus Hamburg kam für vier Tage zu Besuch. Am fünftem Tag fuhren zwei zurück, eine blieb etwas länger. Seitdem sind Luise und Konrad ein Liebespaar mit zwei Wohnsitzen. Ein Mal im Monat ist Konrad bei Luise in Hamburg, ein Mal im Monat fährt Luise in den Süden. Zwischendurch gehen sie ihrem gewohnten Leben nach, jeder für sich. Ein Lebensmodell mit Zukunft?

Ich mag Luise sehr. Wenn sie hier ist und wir etwas gemeinsam unternehmen, meine ich fast, sie bereits seit Jahren zu kennen. Ich mag auch ihre Liebesgeschichte, sie ist lebendig, ehrlich und herrlich romantisch. Ich wünsche den beiden noch viel gemeinsame Zeit, egal, ob im Süden oder Norden, Hauptsache zu zweit. Und ab und zu auch zu viert, mit mir und Deinem Vater.

Küßchen, Mama.

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