Arbeitswelt, Digitales Leben
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Ein Ode an alle Spätzünder im Leben.

Collage Zimmer Wand

Persönliche Krisen sind scheiße, aber unerlässlich für die eigene Weiterentwicklung. Generell bin ich eine Person, die sich gerne zu viele Gedanken um zu viele Dinge macht. Da ich zu alt bin für „Was soll ich bloß mit meinem Leben anfangen?“ (alles beherrschende Frage circa Prä- bis Post-Abitur), reibe ich mich mittlerweile gerne an der Frage „Was habe ich bloß mit meinem Leben angefangen?“ auf. Alles falsch, erscheint es mir.

Beim Anschauen der Lieblingsserie blieb mir fast der Kräcker im Hals stecken: Don Draper, gewissenloser Charmebolzen mit Alkoholproblem und zu vielen Frauengeschichten, hat mit 33 bei Cooper Sterling so ziemlich den gleichen Job, den ich habe, minus Internet und Social Media. Er verdient ungefähr 10x so viel wie ich. Und neben der Arbeit ist noch genug Zeit für Familie, Affären, durchzechter Nächte und regelmäßige Besuche beim Friseur und Schneider. Gut, vielleicht ein kein so gutes Beispiel, dachte ich mir. Don Draper ist schließlich ein Mann der 50er Jahren und außerdem VOLLKOMMEN FIKTIV. Kein Grund also, sich graue Haare wachsen zu lassen.

Lieber Vergleich mit real existierenden Menschen. Die Lieblingsbloggerinnen von This is Jane Wayne sind eigentlich noch ganz schön jung, schreiben tolle Artikel, sind Partnerblog der Vogue und tragen entzückend lässig all jene Taschen, die ich gern hätte, aber nie besitzen werde.

Und Wunderkind Tavi Gavinson fing mit 11 an zu bloggen, mit 13 saß sie in der ersten Reihe der Pariser Fashion Week und mit 14 war sie dann ziemlich über Mode hinweg und gründete lieber Rookie, ein extrem cooles Onlinemagazin für junge Mädchen. Mittlerweile ist sie auch noch Schauspielerin.

Gefühlt jeder auf Instagram hat mit Mittezwanzig fertig studiert (logo), ein karitatives Start-Up aufgebaut, nebenher eine Altbauwohnung in Berlin gefunden, saniert und eingerichtet und dazu eine Familie gegründet. Braucht man eigentlich nicht erwähnen: Gekleidet sind die natürlich auch alle so top, dass ich am liebsten meinen Kleiderschrank einfach aus dem Fenster schmeißen würde. Problem erledigt! Sowas deprimiert mich einfach nur.

Bevor es um meinen seelischen Zustand allerdings zu kritisch wurde, habe ich zum Glück den Artikel „The Power of 29. An Ode to almost being 30“ gefunden und gelesen. Es beruhigte mich dann sofort ungemein, dass viele Frauen die ich schätze und bewundere wie z.B. Tina Fey, Diana Vreeland oder Dorothy Parker mit 15 noch keinen Pieps von sich gegeben hatten und die Öffentlichkeit von ihrer Existenz noch nichts ahnte. Und auch im 25. Lebensjahr schlugen die sich wahrscheinlich noch mit Mittzwanzigerproblemen, Geldmangel und einer gewissen Perspektivlosigkeit rum.

Soll bedeuten: Wir sollten uns alle aufs Älterwerden freuen. Falten sind schließlich das neue Schwarz!

4 Kommentare

  1. Ich habe da in letzter Zeit auch immer mal drüber nachgedacht, man kommt fast automatisch ins Vergleichen an diesen Altersgrenzen & fängt dann wie automatisiert an, die klassischen Kriterien bei sich & den anderen abzuklopfen (super Job, Familie, Heim).

    • Marla Stromponsky sagt

      Und ertappt sich dann dabei, wie man denkt „Bei den anderen sieht alles so einfach aus.“

  2. Pingback: Leb Deinen Traum und gib nicht auf - Endemittezwanzig

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