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Die Angst und die Dunkelheit

Kerzen Dunkelheit

Es gibt einen Grund, warum so viele gruselige Filmszenen in dunklen Wäldern, Häusern oder Kellern spielen: Niemand fürchtet sich bei Tageslicht. Aber wir alle haben Angst in der Dunkelheit. Mir sind weniger schlimme Sachen bei Dunkelheit als im gleißend hellen Tageslicht zugestoßen, alleine schon deswegen, weil ich einen großen Teil der Dunkelheit verschlafe. Trotzdem versuchen Filme, Nachrichten und angeblich um meine Sexualität besorgte Polizisten mich vor der Dunkelheit zu warnen.

Alleine im Dunkeln

Frauen passieren schlimme Dinge in der Dunkelheit, sagen sie. Wir werden vergewaltigt, geschlagen, erniedrigt, unsere Körper wie Lumpen weggeworfen, von Monstern gefressen und Vampiren gebissen. Verständlich also, dass wir dem möglichst aus dem Weg gehen möchten. Ich möchte nicht einem wahnsinnigen Serienmörder oder blutdürstigen Vampir (mir egal, wie sexy Vampire laut Teenieserien sind) im Park begegnen, wenn ich friedlich und nichtsahnend in Richtung Bett radle. Und da ich, seit ich denken kann, schreckliche Geschichten darüber höre, was in der Dunkelheit passiert, habe ich Angst alleine in der Dunkelheit. Ich bin nicht die einzige. Viele meiner Freundinnen radeln nachts nicht alleine durch den Park, vermeiden bestimmte Straßen, Ecken oder sogar Verkehrsmittel oder schrecken, genau wie ich, bei merkwürdigen Geräuschen in der Wohnung auf. Ich liege dann 15 Minuten mit rasendem Puls im Bett, gelähmt vor Angst und dann fällt mir ein, dass es auch die Kater sein könnten. Und ehrlich gesagt: bis jetzt waren es auch jedesmal die Kater. Die haben nämlich keine Angst in der Dunkelheit, im Gegenteil. Der Mantel der Nacht scheint sie nur zu mehr Schandtaten anzustiften.

Wir halten also fest: Dunkelheit und nachts schlecht, weil schlimme Dinge passieren können. Die Dunkelheit erfüllt uns mit Grauen, weil wir uns ausgeliefert und damit bedroht fühlen. Wir sind abgeschnitten vom Leben, das wir mit Tag und Sonnenschein assoziieren. Unsere Sinne sind eingeschränkt, unsere Augen erkennen nur schemenhafte Schatten. Und da wir uns einsam und ausgeliefert fühlen, erscheint es nur logisch, dass jemand das Ausnutzen wird. So logisch, dass uns die Gesellschaft seit frühster Kindheit durch Geschichten vor der Dunkelheit und ihren Schrecken warnt.

Es werde Licht

So weit, so schlecht. Bedeutet diese Hypothese im Umkehrschluss also, dass am Tage keine schlimmen Dinge passieren? Instinktiv möchte ich „Ja“ sagen. Dabei muss ich nur einmal die Nachrichten einschalten, um zu sehen, was auch bei heiterem Sonnenschein passieren kann. Meine Wohnung wurde nachmittags um halb drei ausgeraubt. Eine Joggerin in Leipzig wurde um neun Uhr Morgens in einem Park überwältigt und vergewaltigt. Autos kollidieren, Flugzeuge stürzen ab und Bombenanschläge terrorisieren ganze Großstädte. Es ist dumm, nachts in Wohnungen einzubrechen, denn da schlafen ihre Bewohner und das Risiko erwischt zu werden ist groß. Nachts im Park Frauen auflauern ist kalt und langwierig, schließlich gehen die meisten lieber bei Tageslicht spazieren, joggen oder picknicken. Und Terroristen lassen Bomben am Tag aus genau dem gleichen Grund explodieren: Am Tage sind wir wach und unterwegs. Nachts liegen wir in unseren Betten und schlafen.

Was ich damit sagen will? Unglück, Terror und bösen Männern ist die Tageszeit egal. In Anbetracht dessen, was Tag für Tag in der Welt passiert, tut uns ein wenig Fatalismus vielleicht ganz gut: Wir müssen uns nicht mehr vor der Dunkelheit fürchten als am Tag. Statt nachts mit rasendem Puls gelähmt vor Angst im Bett zu liegen, weil es in der Küche geklappert hat (was die Kater waren, die herausgefunden haben, wie sie die Mülltonne öffnen können), sollten wir lieber tief und fest schlafen. Habt Ihr Angst im Dunkeln? Ist Euch nachts schon einmal etwas zugestoßen? Oder geht Ihr, wie ich, fatalistisch an die Sache heran?

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