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Das Leben in Umzügen: Drei Zimmer, Küche Bad.

(c) Zorro Filmverleih
Die Zeit zwischen Schulabschluss und dem ersten „richtigen“ Job verbringen viele von uns mit umziehen. Aus dem Elternhaus in die erste WG, in andere WGs, man zieht mit Freunden zusammen, einige Monate ERASMUS im Ausland, man zieht mit weniger Leuten zusammen oder in schönere Wohnungen weil man erwachsen wird und zerfledderte Filmposter an den Wänden nicht mehr sehen kann. Und irgendwann wagt man den Sprung ins kalte Wasser und zieht mit dem Herzensallerliebsten zusammen.
Unsere Zeitrechnung wird durch unsere Umzüge strukturiert. Meine Freundin S. bekommt glänzende Augen, wenn sie von ihrer ersten eigenen WG und ihren großartigen Mitbewohnern erzählt. Ich habe dagegen eine sechsmonatige Gedächtnislücke zwischen März 2008 – August 2008. Damals musste ich mit einem Zwischenmieter aus der Hölle zusammen auf 45qm leben. Jede Erinnerung an diese Zeit ist erfolgreich verdrängt.
 
Der Film „Drei Zimmer Küche Bad“ beruht auf einem Skript von Anne Brügemann – Jahrgang 1981, also Angehörige meiner Generation. Zusammen mit ihrem Bruder hat sie einen ziemlich großartigen Film über unsere Generation, ihre Probleme und ihre Ängste gedreht ohne in Sozialkitsch abzudriften. 
Es geht um acht Freunde in Berlin und ihre Umzüge. Und somit den gesamten Rattenschwanz an Gründen, die an den Umzügen dranhängen: Beziehungen gehen in die Brüche, Freundschaften entstehen, Freundschaften zerbrechen, Enttäuschte Liebe, der richtige Mann zur falschen Zeit, Glaube, Hoffnung und Bier auf Umzugskisten. Das uns allen bekannte Gefühlschaos auf dem Weg zum vermeintlichen „Erwachsen werden“.

Philipp zum Beispiel träumt von einer Karriere als Fotograf und rackert sich in unbezahlten Praktikas oder Assistentenjobs ab. Seine Bewerbungsmappe für ein Studium der Fotografie ist schon mehrmals abgelehnt worden.Seine Freundin zieht für ihn aus Freiburg nach Berlin – aber will er das wirklich?
Philipps Schwester Wiebke fragt sich, was bei ihr schiefläuft – Männer wollen sie als Freundin, aber nur im platonischen Sinne. Dabei sehnt sie sich nach einer Beziehung schielt neidisch auf ihre Mitbewohnerin Dina, die sich vor Verehrern nicht retten kann.
Thomas und Jessica sind schon lange zusammen – aber manchmal weiß Jessica gar nicht warum. Thoms vergräbt sich in Arbeit und Jessica stürzt sich in eine Affäre.
Und dann gibt es noch die Eltern. Weit davon entfernt, ihr eigenes Leben im Griff zu haben, beobachten sie wie der Nachwuchs mit dem Leben kämpft. Die einen fragen sich: Ist das unsere schuld? Haben wir die Kinder nicht genügend vorbereitet? Die anderen benutzen den Nachwuchs lieber als emotionale Munition im ehlichen Kleinkrieg. 
 
Ich habe gar nicht viel erwartet, als ich Play drückte und war deswegen im positiven Sinne überwältigt. Die Darsteller habe ich schnell ins Herz geschlossen, weil sie es mir sehr einfach gemacht haben, sich mit ihnen zu identifizieren: Sie sehen aus wie meine Freunde und ich, sie haben die selben Ziele, sie reden wie wir und im Gegensatz zu anderen deutschen Produktionen sind die Schauspieler einfach mal so angezogen wie Menschen Mitte zwanzig – nicht wie Berliner Modeblogger mit zu tiefen Geldbeuteln. Ein weiterer Pluspunkt: der tolle Soundtrack. Guillemots „If the World Ends“ begleitet mich seit Filmende.
 
 
 

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  1. Ich habe diesen Film letzten Sommer im Freuluftkino gesehen. Es gibt in meinem Umfeld keinen zwischen 20 und 30, der sich da nicht wiedergefunden hätte. Grandios! Den Humor muss man auch unterstreichen – so wirklich authentisch gelacht hatte ich lange nicht mehr zu einem Film!

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