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Anins Songperlen – Songs to Sing When I’m Lonely

Mixtape Playlist

Liebe Gemeinde,

ich gebe zu: Mein letzter Beitrag ist ein Weilchen her. Viel ist passiert, ein Sommer ist durchs Land gezogen. Er hat Spuren hinterlassen: Viele Lach- und ein paar Sorgenfältchen. Und jetzt ist es schon Herbst, um halb acht wird es dunkel und auf einmal trägt man wieder Mütze.
Es ist die Zeit, in der man sich in Selbstmitleid suhlt und, zumindest tue ich das momentan, gebeutelt vom Wahnsinn in der Welt wahlweise am liebsten verkriechen oder einfach mal Durchblick haben möchte.
Ich versuche mich in beidem: Selbstmitleid mit Durchblicksambitionen.
Na und weil das alles so tragisch ist und der isolierte Mensch in seiner Isolation noch bestätigt werden möchte, gibts hier ein paar Songs, die garantiert alles schlimmer machen:

Warpaint – Keep It Healthy


Ich versuche mir gerade etwas ambitionierter das Gitarrespielen beizubringen. Das Keep It Healthy Riff ist so toll, dass ich es den ganzen Tag rauf und runter spielen könnte. Überhaupt habe ich einen schlimmen Warpaint-Crush (again!) momentan und habe mir glaube ich inzwischen alle verfügbaren Livevideos bei Youtube reingezogen. Die Songs ziehen mich ständig aufs Neue in ihren Bann, meine Assoziationen reichen von viel Platz über klaustrophobische Enge zu einem Abend mit Freunden, hin zu dunklen einsamen Höhlen, in die es reinregnet.

John Frusciante – Song to Sing When I’m Lonely


Eigentlich mag ich den Song gar nicht wirklich, aber er ist Titelgeber für diesen Post. Musste also rein. Und, fun fact, Emily Kokal von Warpaint war mal mit John Frusciante liiert. Wahnsinns Story, ich weiß.

Patrick Watson – Turn Into the Noise / Know That You Know


Ich konnte mich die ganze Zeit nicht entscheiden, welchen Song von Watson ich hier nun nehme. Das psychedelisch-pompöse „Turn Into the Noise“ oder das getragene „Know That You Know“. Ihr seht: Ich habe mich einfach für beide entschieden.
Der eine verwurstet in 6.40 Minuten so viel herzzereißenden Pathos, dass er es sogar zur Trailermusik von „The Walking Dead“ geschafft hat.
Der andere ist eine vorsichtige, verhuschte Befindlichkeitsperle. „Is it such a bad thing, that I just wanna lay down for now?“

Andy Stott – Violence


Das gibts auch: Dark Vibes für die Technoheads.
Nein, ernsthaft: Was Andy Stott da seit Jahren vor sich hin produziert, ist groß. Elektronische Musik irgendwo zwischen Pop und Avantgarde, gleichzeitig noisig und super eingängig. Sozusagen ein Vorzeigemusiker der neuen hedonistischen Ernsthaftigkeit. „Violence“ ist für mich eine nach Luft schnappende Stadthymne, ich hab das ausprobiert: Zigarette, Rotwein, Balkon, Blick auf die nächtliche Straße, auf einmal macht alles noch weniger Sinn als zuvor.

Madrugada – I Don’t Fit


Ist eigentlich ein klassischer Trennungssong, kann man sich aber auch gut als Single reinziehen, um mal so richtig scheiße drauf zu sein. Die Person, die der Sänger hier anspricht („Come and think of it, I think that we should quit. Oh I don’t fit in there at all“) wächst dann über ihren Körper hinaus und wird zum System, zum Markt, zur Gesellschaft.

Dark Dark Dark – Daydreaming


Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich Dark Dark Dark zu Füßen lag und jetzt, wo ich sie mir im Zuge dieses Beitrags mal wieder zu Gemüte führe, tue ich es glatt wieder. Ich liebe Nona Marie Invies Stimme, ich liebe diese traumhaft schönen Melodien, ich liebe speziell bei Daydreaming, wie warm und weich das Klavier und wie dezent das Akkordeon im Hintergrund klingt, ach ach ach. Schön.

Angel Olsen – White Fire


Die erste Zeile des Songs geht so:
„Everything is tragic, it all just falls apart“
Muss ich noch mehr dazu sagen?

Deerhunter – Desire Lines


Meistens rettet man sich ja dann doch irgendwie selbst. Zieht sich aus dem eigenen Leidenssumpf, klopft sich den Dreck von der Hose, schmiert sich den Rotz aus dem Gesicht und macht weiter.
Deswegen gibts hier zum versöhnenden Abschluss einen meiner All-Time-Forever-Yeah-Shit-Hörorgasmus-Songs. Ich kanns nur in Schlagworten erklären: Text, Gitarre, Gesang, DIESES SOLO am Ende (!), diese Gänsehaut, die sich während des Hörens über meinen ganzen Körper legt. Uaaah.
So lässt sich das mit der Einsamkeit aushalten.

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