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Anins Songperlen – Singende Frauen Edition

Liebe Freunde guter Musik,

neulich ist es wieder passiert:
Ich stand bei einem Konzert, eine Band mit Frontfrau spielte und meine Begleitung beugte sich zu mir und sprach: „Also… ich weiß nicht… Bands mit Frauengesang kann ich mir meistens einfach nicht anhören. Ich weiß nicht woran das liegt, aber das klingt immer so unnatürlich.“
Sie hatte Recht.

Die Frau in der Band wollte klingen wie Alanis Morissette und klang stattdessen wie die Tante von Silbermond. Und anscheinend wollen viele singende Frauen klingen wie Alanis Morrissette und klingen stattdessen wie die Tante von Silbermond. Die Texte hatten im übrigen ähnlich grottige Dimensionen, anscheinend auch so ein Merkmal, das man mit Frauengesang verbindet.

Ich sage „anscheinend“, weil ich das anders sehe, aber die besagte Begleitung nicht die erste war, die ihre Vorbehalte gegenüber singenden Frauen zur Sprache brachte.
Tatsächlich ist es so, dass ich auf Gedudel-Radiosendern viel von diesem gepressten Frauenschmachtgesang höre, aber da klingen die Männer nicht anders. Und ich habe bisher noch niemanden sagen hören: „Bands mit Männergesang kann ich mir einfach nicht anhören.“ Ist ja auch Quatsch, das ist wie wenn man sagt: „Getränke mit Wasser schmecken mir einfach nicht.“

Ziel dieses Posts ist es eigentlich, Euch jetzt hier ein paar richtig coole singende Frauen vorzustellen, die ich in der letzten Zeit so neu entdeckt habe (was nicht heißt, dass das alles Newcomer sind. Ich brauch nur manchmal ein bisschen länger). Aber je länger ich drüber nachdenke, desto bescheuerter komme ich mir dabei vor. Oder hat schon mal jemand einen Blogartikel gelesen, der übertitelt war mit „Meine neuen Lieblingssongs – Singende Männer Edition“?

Ich mach das jetzt trotzdem, aber ich möchte darauf hinweisen: Das ist Quatsch. Oder anders: In einer idealen Welt sollte das Quatsch sein.

Mélanie de Biasio – „The Flow“


Auf Mélanie de Biasio bin ich über das neue Ghostpoet Album gestoßen, wo sie als Gastsängerin vertreten ist. Ihre eigene Musik ist sehr dunkel, ein bisschen jazzy, ein bisschen bluesy und ihre Stimme ist weich wie Butter und tief wie die Nacht. Erinnert mich ein bisschen an eine sophisticated Nina Simone (geht das überhaupt?). Liebe aufs erste mal hören!

Rozi Plain – „Actually It“


In Rozi Plain habe ich mich eines schönen Nachmittags auf byte.fm verliebt.
Ihre Musik passt in diese Slacker-Pop-Ecke, in der sich auch Mac deMarco oder Joey Fourr tummeln. Bei ihr wirkt das alles allerdings ein bisschen luftiger, ein bisschen poppiger, ein bisschen weniger aufgesetzt. „Actually It“ mag ich sehr, der Song passt zu diesen Momenten, in denen man so auf die Welt kuckt und feststellt: Läuft alles. Oder auch nicht. Ist auch egal. Und dann nimmt man einen Schluck Tee.

Alice Cohen – „Backwards“

Synthiealarm! Alice Cohens Song „Backwards“ klingt so sehr nach ’80er, wie das Video danach aussieht. Interessanterweise kann man Cohen dabei nicht wirklich in die Retrokiste stecken, sondern darf ihr eher Nostalgie vorwerfen. Nach einer Blitzrecherche stellte sich nämlich raus: Die Frau macht seit knapp vier Jahrzehnten Musik und war somit schon in den ’80ern aktiv. Sehr gut, wenn ihr Output der letzten Jahrzehnte so toll war wie „Backwards“, gibt es für mich noch einiges zu entdecken!

Totally Mild – „Christa“


Auch so eine Slow-Pop-Nummer, wobei hier die Betonung auf sloooooow liegt. Christa wirkt stellenweise, als hätte jemand den „SloMo“-Button gedrückt, so wenig kommt der Song in Fahrt. Macht aber gerade deshalb Spaß und das Gitarren“solöchen“ am Ende geht total ins Ohr.

Chiwoniso – „Zvichapera“


Ich kann hier weder Interpret noch Titel aussprechen und um ehrlich zu sein, ist „Zvichapera“ auch der einzige Track, den ich von der simbabwischen Sängerin kenne. Drauf gekommen bin ich, oh Wunder, durch ein Set vom Tanzatelier Kokü von der Fusion 2015.
Ich liebe den Klang der Kalimba, irgendwie erinnert er mich an fröhliches Gelächter, und das kontrastreiche Zusammenspiel von Chiwonisos und der supertiefen Männerstimme.

Chastity Belt – „Drone“


Zugegeben: Komisches Video. Aber Fan-Art ist immer ein bisschen awkward.
Und passt damit schon wieder zu Chastity Belt. Das Quartett aus Seattle singt über das, was eben so passiert im MitteEndeZwanzig-Frauenleben: Langweilige Parties, alkohollastige Abende, gleichgültigkeit, gut aussehen wollen. Und werden damit gerne als feministische Band abgestempelt…
Da kann ich nur sagen: „He was just another man trying to teach me something.“

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