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Angst essen Seele auf

Letzte Woche saß ich im Flieger, zurück von Nizza nach Berlin. Das Flugzeug rollte munter gen Startbahn, die Turbinen wurden gestartet, vor uns der Himmel. Und auf einmal hatte ich die Hosen voll. Normalerweise ist meine Flugangst relativ milde und ich kann mich mit rationaler Abgebrühtheit davon überzeugen, dass Flugzeugabstürze statistisch gesehen um einiges unwahrscheinlicher sind als ein Autounfall, ich ja aber nie Todesangst habe, wenn ich in ein Auto steige. Diesmal jedoch wich das unbehagliche Gefühl nicht von meiner Seite, was mein irrationales Ich selbstverständlich als Anlass nahm, die Angst als ein Omen für einen nahenden Flugzeugabsturz zu interpretieren. Folglich verbrachte ich sehr ungemütliche und angespannte 90 Minuten, die durch kurze Absacker in harmlose Luftlöcher nicht besser wurden. Bei der Landung hätte ich am liebsten den Asphalt der Landebahn geknutscht und konnte über diese unbegründete Panik aus dem Nichts nur noch den Kopf schütteln.

Das kleine Arschloch Angst

Was ich damit sagen möchte: Angst ist ein Arschloch. Sie ist irrational. Sie schleicht sich von hinten an, nimmt uns in ihren kalten Würgegriff und lähmt uns. Unser Herz klopft, wir zittern und wir möchten uns unter der größten und kuschligsten Bettdecke der Welt verkriechen. Die Sache, vor der wir Angst haben, ist ein riesiger Berg, so groß und hoch und massiv wie ein Gebirge, dass sich vor uns auftürmt und den Weg versperrt. Angst haben ist uncool, sonst würden sich die Regale nicht vor Selbsthilferatgebern biegen. Die meisten von uns schämen sich für ihre Ängste, wir gehen damit nicht gerne hausieren und versuchen die ganze Angelegenheit lieber unter den Teppich zu kehren und bestimmte Situationen oder Dinge zu vermeiden. Warum eigentlich?

Mach die Spinne bitte tot!

Angst ist jedoch nicht immer gleich Angst. In bestimmten Situationen Muffensausen zu bekommen ist normal. Würden wir wirklich niemals Angst haben, wären wir abgestumpfte emotionslose Psychopathen mit einer extrem kurzen Lebensspanne. Denn Angst (in kleinen Portionen) ist eigentlich keine dumme Erfindung: eine Art Warnsignal, die uns aufhorchen lässt und hilft Dinge in Unbedenklichkeitskategorien einzuordnen. Sehen wir eine dicke fette Spinne, möchten wir schnell ganz viele Meter zwischen uns und das Krabbelvieh bringen. Stehen wir auf der Dachterasse eines Wolkenkratzers und schauen vorsichtig nach untern, macht unser Magen komische Umdrehungen. Müssen wir öffentlich vor Publikum vortragen, lässt der Gedanke an die vielen Gesichter unser Herz aufgeregt klopfen. Haben wir das erste Date mit unserem Schwarm, sind wir schon Tage zuvor starr vor Angst bei dem Gedanken daran, was alles schief gehen könnte.

Ich bin der festen Überzeugung, dass niemand ohne Schmetterlinge im Bauch zu einem ersten Date marschiert oder gerne mit Spinnen kuschelt.  Aber: das sind Angstmomente, bei denen wir die Zähne zusammenbeißen können, losmarschieren und auf einmal merken, so schlimm war es eigentlich gar nicht. Danach können wir oft darüber lachen und das nächste Mal ist schon nicht mehr so schlimm.

Keine Macht der Angst

Nicht alle Ängste müssen wir besiegen. Es ist vollkommen in Ordnung, nicht auf einem dünnen Drahtseil über den Grand Canyon zu balancieren oder darauf zu verzichten mit weißen Haien um die Wette zu schwimmen. Das schränkt unser Leben schließlich nicht sonderlich ein und verlängert im besten Fall noch unsere Lebenszeit. Haben wir Angst vor gewissen Situationen sagt uns das, dass wir in dem Bereich Probleme haben. Haben wir zum Beispiel panische Angst einen Vortrag zu halten, ist das vielleicht ein Zeichen, dass wir Selbstzweifel haben und unsere Fähigkeiten falsch einschätzen. Haben wir Angst vor der Intimität einer ersten Begegnung, dann liegt das womöglich daran, dass wir uns verletzlich fühlen. Und manchmal kann Angst auch ein Indikator sein, etwas zu ändern. Etwas Neues auszuprobieren und festzustellen: Hey, das ist gar nicht mal so schlimm. Denn die Angst hat immer nur genau so viel Macht, wie wir ihr geben. Habt keine Angst!

Wann macht Ihr Euch vor Angst in die Hosen? Und was macht Ihr in solchen Situationen? Was Hilft, was empfehlt Ihr um der eigenen Angst eine lange Nase zu drehen?

2 Kommentare

  1. A. Stromponski sagt

    Auch ich steige morgen in den Flieger. Und habe davor Dein Artikel gelesen. „Gott sei dank“ kann ich dazu sagen. Der kleiner Luftangsthypohonder in mir hat Deine Botschaft beherzigt. Nur noch 24 Stunden bis zum Abflug und ich bin seelenruhig entspannt. Danke fürs rütteln.

    Agnieszka Stromponski, Mama ohne Angst.

  2. Pingback: Die Angst und die Dunkelheit

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