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2016, Du Arschloch

Katze Party bloggen

Ist das 2016 das schlimmste Jahr unserer Generation? Das Jahr, in das zukünftige Zeitreisende zurückreisen werden, um den Aufstieg des bösen Imperiums zu verhindern? Es ist auf jeden Fall ein Arschlochjahr, ein Jahr, in dem wir alle kapiert haben, dass unsere Filterblase aus Avocadotoast, Netflix und Acneschals eben nur das ist: Eine Blase, ein gemütlicher Kokon, in dem wir warm und behaglich das anziehende rechtspopulistische Klima ignoriert haben. Nun haben wir den getrumpten Brexit-Salat, von Polen und Österreich und überhaupt Ungarn will man eigentlich gar nicht erst anfangen. Sieht ja auch nicht gerade rosig im eigenen Land aus, in dem viele Menschen sich auf einmal besonders deutsch fühlen müssen und dazu gehört anscheinend alles Nicht-Deutsche zu verkloppen und rauszuschmeißen. Das haben wir schon einmal versucht und es endete in einem globalen Massenbegräbnis.

Außerdem war dieses Weihnachten im wahrsten Sinne das „Last Christmas“, denn was soll nach George Michaels Tod noch kommen bitteschön?

Politisch und popkulturell war das Jahr also eine Katastrophe. Und bei mir persönlich, fragt Ihr? Nun, ich habe nicht den Pulitzerpreis oder eine Millionen Euro im Lotto gewonnen. Es gab kein Gold am Ende des Regenbogens und eigentlich, wenn ich ehrlich bin, auch keinen Regenbogen. Denn 2016 ging bei mir alles schief. 2016 ist bis jetzt unangefochten auf Platz eins der Arschlochjahre in meinem Leben. In Auszügen zusammengefasst, liest sich mein Jahr etwas so: Ich verbrachte sechs Wochen ohne funktionierende Toilette. Dann gab es einen Rohrbruch. Etwas später noch einen. In meinen Rucksack lief Wasser aus und verschaffte meinem Macbook so ein Express-Ticket in den Elektroschrotthimmel. Ich absolvierte eine Odyssee durch Leipziger Tierarztpraxen. Generell war ich viel beim Arzt – Zahnarzt, Hausarzt, Tierarzt, Facharzt, metaphorisch gesprochen habe ich gefühlt sechs Monate in Wartezimmern verbracht und in der GALA über Fürst Albert von Monacos Ehe, Sarah und Pietro Lombardis Trennung und Lily Beckers Geburtstag gelesen. Ich lebte vier Monate mit einer Person zusammen, gegen die ein durch die Fensterscheibe geworfener Pflasterstein recht sensibel und einfühlsam wirkt. Ich hatte Geldsorgen. Dann hatte ich größere Geldsorgen. Dann verlor ich mein Handy. Auf einmal erschien die ein paar Monate zurückliegende Wurzelbehandlung nur wie der Auftakt zu einem höllischen Inferno von persönlichen Katastrophen, die anderen Menschen mitleidsvolle Blicke und Äußerungen wie „Für Dich ist das ja kein so gutes Jahr, was?“ entlocken. Ne, ist es nicht. Es war ein Arschlochjahr.

Es war natürlich nicht alles schlecht. Ich habe zum Beispiel mit meiner besten Freundin ein Buch veröffentlicht und Menschen haben es gelesen, ja sind sogar zu Lesungen gekommen. Statt uns auszubuhen haben sie das Buch gekauft und manche haben sich sogar ein Autogramm gewünscht. Ich war in meiner Lieblingsstadt Hamburg und habe dort in einem Container am Hafen die Nacht durchgetanzt. In Zürich bin ich im Fluß geschwommen und über den See gecruist, ich habe Champagner in Nizza getrunken und den teuersten Cocktail meines Lebens im teuersten Hotel von Monaco, Falcos Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof besucht und in Holland Fischbrötchen gegessen. Ich habe köstliche Dinge gegessen und ein  viergängiges Dinner für 13 Personen gekocht, ich habe gelernt wie man gegrillte Paprika einweckt, Brownies backt und die perfekte Polenta zubereitet. Und ich habe gelernt freihändig Fahrrad zu fahren.

2016, du warst ein mieses mieses Jahr und Du hast Dir alle Mühe gegeben, mich kleinzukriegen. Du hast es nicht geschafft und darüber bin ich froh. Ich freue mich auf ein neues Jahr mit hoffentlich weniger Rohrbrüchen und mehr Blumenwiesen, weniger Pech und mehr Regenbogen und hoffentlich weiterhin mit Euch.

2 Kommentare

  1. Hallo Marla,

    Wow. Nicht schlecht was du in 2016 so alles zu bieten hast. Aber denke daran – es geht immer noch be….
    Getreu deinem Motto: Einfach mal was mit Käse überbacken und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus.

    „Und die See wird allen neue Hoffnung bringen, so wie der Schlaf die Träume bringt…“ Christopher Kolumbus

    Auf ein ein schönes und gesundes neues Jahr 2017

  2. Martin sagt

    Schöner Text, ich werde das Jahr mit Grünkohl und Aperol Spritz ausklingen lassen. Dir einen guten Rutsch!

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