Frau Stromponsky sr., Nachhaltigkeit
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Pilze, Wald und Herbst

Pilze sammeln

Liebe Marla,
ich liebe den Herbst. Keine Jahreszeit fühlt sich für mich so sanft und melancholisch an. Die perfekte Vollendung des Jahres.

Pilze sammeln

Als Kind konnte ich den September nicht abwarten, denn dann begann die Pilzesammelsaison.  Ich verschwand mit meinem Vater im Wald ,um stundenlang stolze Steinpilze, freche Maronen und leicht verstaubt aussehende Birkenpilze zu suchen. Jeder gefundene Pilz war ein Hurraerlebnis, vor allem dann, wenn mein Vater noch keinen Pilz im Korb hatte. Im Wald haben wir selten jemanden getroffen, dann und wann einige wenige andere Pilzesammler, die genau wie wir, mit zu Boden gesenkten Köpfen in totaler Konzentration nach den Früchten des Waldes suchten. Es war eine meditative Erfahrung, deren Wert und Wichtigkeit ich erst heute begreife. Mein Vater führte mich in die Wälder, zeigte mir, wie ich die Pilze sorgfältig mit einem Messer aus dem Boden holen sollte, um die Wurzel nicht zu beschädigen und lehrte mich den Unterschied zwischen essbaren und giftigen Sorten. Es war ihm sehr wichtig, dass wir uns leise unterhielten, um die besondere Ruhe des Waldes nicht zu stören. Damals habe ich gelernt der Natur mit Respekt und Dank zu begegnen. Ich denke bis heute an diese Ausflüge, an die Körbe voller Pilze, die wir noch bis spät in die Nacht geputzt und verarbeitet haben. Ein Teil wurde zum Trocknen in kleine Scheiben geschnitten, der andere eingekocht. Und wie es währenddessen in der Küche geduftet hat: Einfach herrlich!

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Ich bin der Tradition des Pilzesammelns bis heute treu geblieben. Und der Liebe zum Wald. Dieses Jahr ist die Pilzernte bescheiden ausgefallen, es reicht aber trotzdem, um das beste Sauerkraut der Welt zu kochen (Rezept gerne auf Anfrage) zu kochen. Oder meine geliebten polnischen Piroggen mit Hackfleisch. Ohne getrocknete Pilze schmecken diese Speisen einfach nur halb so gut. Manches hat sich allerdings heute in den Wäldern geändert und das nicht unbedingt zum Wohle des Waldes. Die Ruhe ist verschwunden. Stattdessen sind die Wälder voll mit Menschen, die auf die Ruhe pfeifen. Ebenso schlimm: Sie missachten die Regeln des Pilzesammelns. Die Pilze werden brutal herausgerissen und so nachhaltig beschädigt. An solchen Stellen wächst nie wieder ein Pilz nach. Viele benutzen den Wald auch als kostenlose Mülldeponie. Vielleicht haben sie als Kinder nicht, wie ich, gelernt wie man den Wald behandelt?
Das muss sich ändern. Hallo, ihr jungen Mütter und Väter. Bringt euren Kinder die Ruhe des Waldes bei. Flüstert ihnen leise die Namen der Pilze und der Bäume zu. Erntet mit Achtung und Dankbarkeit.

Küsschen, Mama.

1 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel, knackig und aufs wesentliche beschränkt.

    Jedoch gehört noch weit aus mehr “Wissen” zum Thema Pilze sammeln, als in einem einzigen Blog mal eben schnell geschrieben werden kann.

    Ich empfehle allen Pilzfans ein Besuch auf entsprechend umfangreichen Portalen.

    Beispielsweise bietet http://waldsammler.de ein umfangreiches aber dennoch leicht verständliches Pilzwissen an.

    Auch Themen wie das Pilze sammeln, Pilze züchten, Pilze bestimmen und viele weitere werden dort behandelt.

    Mit freundlichen Grüßen

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