Land, Unterwegs
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Das war mein Sommerurlaub: Nissan, Frankreich

Nissan Frankreich Paella

Liebe Marla,
vor zwei Tagen noch wärmte uns der Sand am Strand von Vendres. Es gab Sonne satt, nur noch wenige Touristen. Die Strände gehörten uns (fast), vor allem in den Nachmittagsstunden. Weil also Le grand Nation schon im Arbeitseifer gefangen war, hatte Familie Stromponsky und paar andere Touris Südfrankreich für sich ganz allein. Heute stehe ich in der Waschküche, sortiere dreckige Urlaubswäsche und kann es nicht glauben: Wieder ist ein Urlaub zu Ende gegangen.

Es war gigantisch, obwohl gar nichts  los war.
Wir, also ich und Dein Vater, waren in Nissan lez Enserune, einem kleinem languedozischen Dorf in der Nähe des Canal du Midi und der Mittelmeerküste. Kein Touristenmagnet, deshalb erlebt man den französichen Alltag hier authentisch. Jeden morgen kaufte ich ein Baguette und stattete dann dem Cafe Commerce mitten im Ort einen Besuch ab. Die nette Madmoiselle servierte mir einen dopppelten Espresso mit viel Milch. Ich saß dort manchmal zwei Stunden, kaute an mitgebrachtem Gebäck und beobachte die Menschen um mich. Dienstag, Donnerstag und Samstag war besonders viel los, denn da kamen die Marktleute mit ihren Ständen. Es gab frische Austern und  Fisch, viel Gemüse aus kleinen Bauerngärten und jemand kochte eine Paella, deren Duft bis zu mir ins Cafe Commerce durchdrang. Leute kauften, unterhielten sich, ein buntes, ruhiges Treiben, das gesehen werden wollte. Ich gönnte mir noch einen Espresso, dieses Mal ohne Milch, ging zum Paellakoch und und das Mittagessen war fertig.

cafe commerce Nissan
In der Zwischenzeit kaufte Monsieur Stromponsky einen Flasche Wein aus der Region. Bereits für 5 € kann man exclusives Zungenschmeichler erwerben. Danach hatte er gehofft im Office de Tourisme etwas über das regionales Kulturleben zu erfahren, allerdings ohne Erfolg. Der junge Mann, der dort arbeitete, wahrscheinlich ein schlecht bezahlter Student, hatte keinen Plan und wusste nix. Er war allerdings so freundlich, daß wir ihn öfters mit der Frage: Kam heute was Neues rein? besuchten. Zu seinem und unserem Leidwesen kam nie Neues rein.Rathaus Nissan
Auf dem Weg nach Hause, 2 Minuten vom Cafe, gingen wir immer am Rathaus vorbei. An der Engangstür las ich, wer im Dorf heiraten wollte und wer verstorben war. Während unseres Urlaubs gab es außerdem genau eine Urnenbesttatung. Natürlich durfte ein Friedhofbesuch nicht fehlen, denn manche morbide Erfahrungen sind sehr lehrreich. Der Friedhof von Nissan liegt gleich links bei der Einfahrt ins Dorf. Er ist sehr groß, sehr gepflegt und sagt manches über das Leben der Dorfbewohner aus. Es gibt viele Gräber junger Männer, die ihr Leben im 1. Weltkrieg ließen. „Il mort pour la France“, dieser Satz schmückte viele Grabtafeln. Viele Männer und zur meiner Überaschung auch Frauen, starben in Algerien. Sie bekamen dafür ein Prunkbau in ihrem Heimatdorf Nissan.

Friedhof Nissan
Zurück ins Leben. In Nissan gibt es einen Waschmaschinensalon unter freiem Himmel, direkt beim Einkaufscenter. So was habe ich noch nie gesehen. Man fährt mit dem Auto hin, steckt die Wäsche in die Waschmaschine und geht zurück zum Auto, um zu warten, Manche nutzten die Zeit fürs Einkaufen, andere bleiben im Auto, um zu dösen oder lesen.

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Wenn wir keine Paella vom Markt essen konnten, aber keine Lust auf Kochen hatten (wir waren schließlich im Urlaub), dann speisten wir mittags im Akropol, einNachbarlokal vom Cafe Commerce. Im Akropol herschte ein strenger, stets schlecht gelaunter Monsieur, dessen im Gegenzug sehr freundliche Gattin herrliche Hausmannskost servierte. Pünktlich um 12 Uhr gab es Mittagsessen, außer Sonntag und Montag. Mit uns speisten meistens Handwerker, ein paar Angestellte der örtlichen Bank, zwei Mal auch englische Touristen. Madame herrschte in ihrer Küche ganz allein, nur manchmal kam eine junge Dame und übernahm das Bedienen.

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Die Nachmittage verbrachten wir am Strand von Vendres, etwa 15 km von Nissan entfernt. Ich sammelte  Venusmuscheln oder Holz , das vom Meer angespült wurde. Herr Stromponsky fotografierte. Am Abend gab es zu erst Fernsehennachrichten aus der Heimat, dann 1-2 Gläser Wein im Cafe Commerce. Das Leben in Frankreich verwöhnte uns wahrhaftig mit Ruhe, schönem Wetter, und „nichts besonderem tun“.
Ich glaube, meine Urlaubswäsche ist inzwischen sauber geworden.
Hallo Alltag, bin gerne zurück.
Küßchen, Mama.

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