Feminismus
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Menstruation -The Great Unkown

Menstruation

Periode, Tage, Besuch von Tante Rosa, die rote Zora, die Strafe Gottes, Jagd auf roten Oktober – egal wie wir unsere Regelblutung nennen, sie spielt eine extrem wichtige Rolle im Leben aller Frauen. Als ich mit einer Freundin in einem Wurmloch gruseliger Disney-Filme auf YouTube versank, entdeckten wir durch Zufall einen altern animierten Lehrfilm über Menstruation. Ich fand es spannend zu sehen, wie wenig sich eigentlich seit Enstehen dieses Filmchen an der Rezeption des weiblichen Blutflusses geändert hat.

Ganz schön eklig?

Die Scham kommt nicht von ungefähr: Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte wurde uns Frauen eingetrichtert, dass der monatliche Blutfluss uns in „unreine“ und oftmals hochgradig irrationale Wesen verwandelt. Frauen waren aufgrund ihrer blutigen Körperflüssigkeit von vielen religiösen Ritualen ausgeschlossen, es hieß die Blutung sei die Strafe Gottes für den Sündenfall Evas (logisch) und Gelehrte (natürlich alles Männer) fragten sich besorgt, ob es denn gefährlich für sie sei, Sex mit menstruierenden Frauen zu haben. Es half natürlich nicht, dass jahrhundertelang das Gerücht umging, dass Menstruationsblut giftig sei. An das Wohlbefinden der Frauen, die schließlich die Leidtragenden in dieser Sache sind, dachte ziemlich lange niemand. Wir Frauen hatten zu strahlen, den Haushalt zu besorgen und viele Kinder zu gebären, Menstruation hin oder her.

Ganz schön normal!

Das Stigma der unreinen Bluterin hat uns Frauen leider nie ganz verlassen, doch seit einiger Zeit gibt es weibliche Gegenstimmen, die fragen „Was soll’s? Meine Periode gehört zu mir“. Am berühmtesten ist sicher die junge kanadische Fotografien Petra Collins, einigen sicher bekannt aus dem Rookie-Dunstkreis. Mir gefallen auch die Artikel von Mia, die ganz offen schreibt, was so Sache ist und offensichtlich genauso wenig ein Fan von PMS ist wie ich.

Warum hat das so lange gedauert, bis wir Frauen den Mund aufgemacht hat? Warum soll uns Frauen ein natürlicher Vorgang eigentlich überhaupt peinlich sein? Schließlich verdammt auch niemand die Männerwelt für ihre Ejakulation. Und doch warb zum Beispiel O.B. in den 90er für seine Tampons mit dem Slogan „Sicher und diskret“. Der Satz „Nimmt die Regel dort auf, wo sie passiert“ verwirrte ganze Generationen von Kindern: Warum musste man einen Wattebausch mit blauem Fädchen sanft in einer Hand drücken? Blut war weit und breit nicht zu sehen. Die Werbung lief sauber und diskret ab. Es wurde peinlichst darauf geachtet, dass keinerlei rote Flüssigkeiten unschuldige Zuschauer daheim auf dem Sofa verschreckten. Stattdessen behalf man sich mit blauen Flüssigkeiten, die mich ehrlich gesagt immer an Glasreiniger erinnerten.

Ganz schön emo!

Mein Blut ist ehrlich gesagt weder blau noch giftig. Während meiner Regelblutung ist mir nie danach, milde zu lächeln. Und ganz bestimmt trage ich nicht beschwingt weiße Jeans, während ich auf der Tanzfläche rocke.

Stattdessen habe ich das irre Schmerzen, weil meine Gebärmutter Krieg gegen mich führt und meine aufgebrachten Hormone sorgen dafür, dass mir bei niedlichen Tierbabyfotos, emotionalen Liedern, emotionalen Filmen, vollkommen nicht-emotionalen Filmszenen, dem Lesen der Nachrichten und leckerem Essen abwechselnd Tränen in die Augen schießen oder ein Seufzen entschlüpft – Ihr kennt das. Menstruation ist eben kein emotionales Zuckerschlecken. Trotzdem schleppen wir Frauen uns mit Schmerzen ins Büro und lächeln dort brav in Meetings, obwohl wir uns insgeheim panisch fragen, ob wir durch die Strumpfhose durchbluten. Und wenn dann der bescheuerte Kommentar „Was bist Du denn so zickig? Hast Du Deine Tage?“ kommt, dann würde ich am liebsten aufgebracht brüllen: „Hey Arschloch, du wärst auch angespannt, wenn dein Uterus schmerzt, weil sich kleine Fetzen von Deiner Gebärmutter lösen und mit Blut hinausgespült werden, du vor Krämpfen weder sitzen noch laufen kannst, sondern Dich in Embryohaltung zusammenrollen musst, Deine Hormone Achterbahn fahren und Du nach außen hin so tun sollst, als ob alles prima ist!“

Wie seht Ihr das? Sollten wir in der Öffentlichkeit mehr über unsere Periode, Menstruationstassen und PMS reden oder ist das kein Thema für die Öffentlichkeit? Findet Ihr die Diskussion hilfreich? Und sind Eure Hormone auch so schlimme Arschlöcher wie meine?

5 Kommentare

    • Marla Stromponsky sagt

      Danke für den Link, Lena. Der Aspekt bereitet mir auch immer Sorgen, da sind Cups wirklich die bessere Lösung.

  1. Ich habe auch nie ein Problem damit offen darüber zu sprechen. Passiert halt einfach. Ich finde auch verstörend, wenn nicht mal Frauen untereinander darüber sprechen können/wollen, weil ihnen das Thema zu unangenehm oder auch zu eklig ist. Ist mir ein Rätsel. Ich würde am liebsten ein Foto von meiner Binde machen und es teilen, wenn ich schon wieder einen „Blutegel“ gebärt habe. Aber naja, das ist vielleicht wirklich ein wenig widerlich 🙂

  2. Über solche Themen sollten definitiv mehr Leute offen und ehrlich reden. Vor allem mit Humor kommt es einem dann doch eher lächerlich vor, dass man sich vor ganz natürlichen Vorgängen ekelt. Wenn Männer pupsen, rülpsen oder ejakulieren ist das meistens außerordentlich amüsant und völlig normal. Dass Frauen sich vor Schmerzen winden und sich selbst mit ihren Gefühlsausbrüchen auf den Senkel gehen soll aber unter den Tisch gekehrt werden?! Wenn alle ein kleines Stückchen offener und ehrlicher wären, würde es uns allen wahrscheinlich ein kleines Bisschen besser gehen 🙂

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