Land, Unterwegs
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Marla reist: Tschechien – Berge im Sommer

Tschechien Prachov

Soll der Rest der Welt im Sommer ans Meer düsen – mein Ding sind Berge. Genauer gesagt, Berge im Sommer, da ist es kühl, wunderschön und meistens ziemlich leer. Deswegen war ich ziemlich froh, dass ich letzte Woche die Chance hatte, 4 großartige Tage in Tschechien, genauer gesagt Böhmen und dem Siebengebirge zu verbringen – und sogar Seilbahn zu fahren!

Hoch Hinaus

M

it Anfang 20 noch undenkbar: Es ist Samstag morgen und ich stehe freiwillig um sieben Uhr auf, weil wir wandern gehen Auf unserer Wanderung durch die Felsen-Formation Prachovské skály (Prachauer Felsenstadt) verlieren wir recht schnell zwei Mitglieder unserer Truppe, die vor den klaustrophisch engen Durchgängen zwischen den Felsen zurückschrecken und die Tour lieber mit einem Glas tschechischem Bier aussitzen. Ich dagegen genieße das Durchzwängen, das Auf und Ab der Felsen, das am Ende mit einer fabelhaften Aussicht über das gesamte Gebiet belohnt.

Nicht nur wir hatten an diesem Sonntag im Spätsommer die Idee für eine Wanderung – die Felsen sind voll mit tschechischen Familien aller Alterstufen, die beschwingt die Füße schwingen und ganz altmodisch mal offline unterwegs sind. Wandern ist nämlich tschechischer Volkssport, aber vielleicht ist das angesichts der herzhaften Mahlzeiten auch notwendig.

Die Knödel-Prinzessin

Wer etwas auf sich hält (und ich halte viel auf mich), der speist nicht in einer schnöden Gaststätte am Straßenrand, sondern im einem wahrhaftigen, efeuumrankten Märchenschloss. Dort wird serviert, was der deutsche Touristenmagen in Tschechien so sehnlich begehrt: Deftiges vom Tier, mit Rotkraut, mit Sauerkraut, mit wenig oder keinem Gemüse und natürlich mit Knödeln. Meine Bitte um eine vegetarische Option sorgt für verwunderte Blicke bei den Kellnern. Keine Schweinshaxe? Kein Schnitzel? Und vor allem: Keine Knödel? Womöglich sind tschechische Mägen darauf ausgelegt mit einem Magen voller Knödel Berge zu erklimmen, meiner ist es nicht. Wir einigen uns letztendlich auf Kartoffelbrei mit Sauce und ja, auch ohne Speck. Ich fürchte, dass Böhmen mit all seiner Pracht Veganern erst einmal verwehrt bleibt – sie müssten dort schlichtweg verhungern.

 

Paradiesische Aussichten

Dachte ich schon, schöner und wilder als bei den Prachauer Felsen gehe es nicht, so wurde ich eines besseren belehrt als wir am späten Nachmittag die Felsen Hrubá Skála erreichen. Etwas unsicher erklimme ich die an den Felsen eingelassen Holzsprossen, stehe dann aber stolz wie Bolle oben, während sich unter mir gefühlt ganz Böhmen in einem perfekten kitischigen Sonnenuntergang auffächert. Kein Wunder, dass die Prospekte, die uns in die Hand gedrückt wurden, die Gegend als Bohemian Paradiese bezeichnen (oder wie ich in einem Anfall von charmanter Leseschwäche las: Boheminan Rhapsody). Freddie Mercury begegnete mir zwar nicht, dafür aber auffallend viele nackte Bierbäuche. Ältere tschechische Herren kennen da keinen Scham, gewandert wird mit nacktem Oberkörper und stolz vor sich hergetragnenem Bauch.

„Perfect! Perfect! Now go higher!“ Unser Kletterlehrer Jiří brüllte den Kletterern am Felsen Ermutigungen zu, während er am Boden Gurte festzurrte, Seile überprüfte und Bedenken bezüglich des Herunterkommens vom Felsen mit der ermutigenden Bemerkung „I tell you later“ beseite wischte. Falls dann doch jemand gelähmt vor Angst am Felsen klebenbleibt und sich nach einem Blick nach unten nicht traut abzuseilen, so eilt Jiří flink wie eine Bergziege die waagrechten Felsen hoch und nimmt die Sache in die Hand. Oben geblieben ist bis jetzt noch niemand.

Ich schaue lieber vom Boden aus zu. Der Wald riecht würzig nach Spätsommer und Tannennadeln und als ich so in der Abendsonne auf dem hohen Felsen sitze, die Beine übers Tal baumeln lasse, da ist die Welt ziemlich in Ordnung.

The Sky is the limit

Wieder ein früher Morgen, wieder mit verschlafenen Äuglein in den Bus geschlurft und fast wieder eingeschlafen. Heute wollten wir den höchsten Berg in Tschechien erklimmen, den Snezka (Schneekoppe). Der ist zwar mit 1600 Metern noch kein Gigant, die Aussicht soll aber trotzdem ganz gut sein. Wir haben ein bisschen geschummelt und sind lieber 15 Minuten mit der Seilbahn hoch gegondelt, weil a) Seilbahnfahren so ziemlich das coolste an Bergen ist und b) ich faul bin. Basta.

Die polnische Grenze verläuft auf dem Gipfel und ich blickte auf der einen Seite wehmütig über Schlesien, Richtung Wroclaw. Die polnische Seite des Gipfels wurde gekrönt von einem architektonischen Meisterwerk des Brutalismus, einem Hotel aus den 70ern. Ich vermute allerdings, dass es ein UFO ist. Auf der tschechischen Seite gab es dafür ein Postamt – also unbedingt Adressbuch mitnehmen!

-In Tschechien war ich auf Einladung von Czech Tourism-

Naturpark Prachovské skály: Tolle Aussichtspunkte, Für Felsenkletterer und Wanderer, Eintritt ca. 2 Euro, Öffnungszeiten: April-Oktober jeden Tag von 08.00 – 18.00 Uhr

Hrubá Skála: Kletterschule Böhmisches Paradies, Termine nach Anfrage

Schloss Hrubá Skála: Restaurant und Hotel, durchgehend warme Küche ab 11.00 – 22.00 Uhr, traditionelle böhmische Küche (Achtung, keine vegetarischen Gerichte), tolle Aussicht von der Terrasse

Snezka: Seilbahn fährt vom 1. Mai – 30. September täglich von 08 – 18.00 Uhr. Einmal Hoch und wieder runter kostet ca. 15 Euro. Transport ist abhängig von der Wetterlage.

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