Nachhaltigkeit, Selbermachen
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Leserkommentar: Anders kaufen

Anders kaufen

Letzte Woche platzte mir angesichts der nicht versiegenden Flut an Werbung für den vermaledeiten Black Friday der Kragen und ich schrieb mir meinen Frust von der Seele. Der Druck ständig kaufen zu müssen nervt mich und anscheinend habe ich bei Euch damit einen Nerv getroffen, das Feedback war jedenfalls sehr gut. Meine Freundin Lene aus Hamburg hat sich sogar die Mühe gemacht und einen ausführlichen Kommentar geschrieben. Vielen Dank dafür!

Zuerst einmal vielen Dank für den Beitrag beziehungsweise diese Ansage! Ich teile Deine Gedanken sehr und bin deshalb auch seit einiger Zeit zunehmend darum bemüht, meine Konsumierungsabläufe zu reflektieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Ich frage mich vor jedem Kauf: Ist diese Anschaffung wirklich nötig und wie kann ich es eventuell selbst bereit- und/oder herstellen? Dafür gibt es nicht die eine perfekte Lösung, aber meiner Erfahrung nach können wir leichter als gedacht einige Dinge in unserem Alltag ändern.

Einige Anregungen aus meinem Alltag

Gelbe Seiten

Auf der Suche nach einem Produkt von dem ich nicht weiß wo ich es lokal kaufen kann, ohne einen Internetshop damit zu beauftragen? In diesem Fall lohnt oft ein Klick auf die Gelbe Seiten. Die machen das Leben ja bekanntlich leichter 🙂

No more Amazon

Ein Buchkauf (insofern ich ein neues Buch möchte) erfolgt über die Buchhandlung in meiner Nachbarschaft. Anders als von Amazon versprochen steht das Buch tatsächlich am anderen Tag – unweit von meiner Haustür entfernt – abholbereit! Übrigens: erst letzte Woche bestellte ich auch über diesen Weg eine DVD! Alternativ dazu gehe ich in Büchereien oder kaufe gebrauchte Bücher, zum Beispiel über Kleinanzeigen.

Anders kaufen

Vintage Fieber

Bei der Mode mache ich immer weniger Ausnahmen. Mittlerweile finde ich Second-Hand-Kleidung beinahe unverzichtbar. Was das angeht, ist Humana übrigens meine Anlaufstelle No. 1

Bastelfieber

Warum eigentlich nicht reparieren? Natürlich keine neue Idee, aber meiner Erachtens scheitert diese Option häufig alleine aufgrund mangelnden Know-Hows. Kein Problem: Wenn ich es nicht selbst kann, müssen eben die Experten ran. Bei einer meiner letzten Reparaturen ging es um den 30 Jahre alten Rucksack meines Großvaters. Ich habe einen Taschen- Einzelhandel aufgesucht und gefragt, ob der Rucksack noch repariert werden könne. Nach 15-minütiger Beratung von 3 hilfsbereiten Mitarbeitern wusste ich was zu tun war und ich bin glücklich wieder abgedüst, um mich zu Hause selbst an die Arbeit zu machen. Mit Erfolg!

Vetruen Geile Weine

Support your local Kiosk

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund: „Einer der wenigen Orte, an denen ich ohne große Gewissenbisse mein Geld investiere, ist der Kiosk.“ Und ich finde, recht so! Klar, auch hier läuft sicherlich nicht alles korrekt ab, aber gemessen an der ‚globalen Korrektheit‘ schneidet so ein Kiezkiosk vermutlich überdurchschnittlich gut ab. In dem Moment, in dem ich Geld gegen Ware tausche, bilde ich mir gerne ein, jetzt ganz direkt den Menschen hinter dem Ladentisch samt Familie zu unterstützen. Das Angebot ist zwar nicht immer ausreichend, aber der Kiosk in meiner Nähe bietet zum Beispiel regionales Obst an (eher ohne Biosiegel, dafür aber unverpackt) und hat obendrein noch ein vorzügliches Weinsortiment. Prost!

Wildkräuter

Alle für einen, einer für alle

Seit Mai diesen Jahres bin ich Mitglied in einer solidarischen Landwirtschaft. Der Clou: Nicht nur erfolgt der Gemüseanbau nach Demeter Grundsätzen und produziert so unschlagbar leckeres Gemüse, darüberhinaus besitzt jedes Mitglied einen Ernteanteil (wahlweise einen halben oder ganzen / vegetarisch oder mit Fleischanteil). Soll heißen: Die Landwirtschaft bewirtschaftet ihre Felder proportional zur Anzahl der Ernteanteile ihrer Mitglieder. Auf diese Weise kann eine angemessene Ernte geplant und angebaut werden. ‚Solidarisch‘ deshalb, weil Vertrauen groß geschrieben wird: Ich kann im Laden meinen Ernteanteil dem Kühlhaus entnehmen, ohne dass dies von Mitarbeitern kontrolliert oder abkassiert wird (die Bezahlung läuft über Bankeinzug). Jedes Mitglied hat schließlich ein Interesse daran, dass diese Abläufe fair bleiben, damit auch jede/jeder „satt“ wird.
Außerdem erhalten wir Mitglieder jede Woche per Email einen Hofbrief, in dem berichtet wird wie es mit der Ernte derzeit läuft, was gesät, geerntet oder angebaut wird. Getreide wird im Laden kostenfrei angeboten,  was dazu geführt hat, dass ich mittlerweile mein Brot selbst backe. Darüber hinaus gibt es: Milch, Käse, Butter, Saure Sahne und Joghurt – in schönen unbeschrifteten Gläsern mit gelben Deckeln,  so dass das Herz eines jeden urbanen Hipsters verdammt hoch zum Schlagen kommt.
Das alles sind nur Denkanstöße, aus denen wir möglichst keinen seltsamen Dogmatismus entwickeln sollten, um nicht die Lust und Freude am Konsumieren und generell am Alltagsleben zu verlieren. Es geht vielmehr darum, Konsum und Alltag anders zu leben und zu kaufen. 1, 2,3 – los!

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