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Lebensmittel, die ich liebe zu hassen

Essen ist immer auch ein bisschen Gefahrenzone. Obwohl unsere Kindheit mit dem kindlich irrationalen Hass auf Gemüse, gesunde Lebensmittel und alles Fleisch, das nicht Hühnchen ist, weit zurück liegt, haben sich noch einige Lebensmittel den Schurken-Status erhalten. Zwar gilt es als Erwachsener als unreif, „schleckig“ zu sein, aber sind wir doch einmal ehrlich: Jeder von euch Herzis kennt diese Lebensmittel, bei denen wir am liebsten brechen würde. Die wir uns nie freiwillig kaufen, geschweige denn zubereiten würden. Und für die wir tiefen reinen unbarmherzigen Hass empfinden. Ich bin so frei und mache den Anfang mit meiner Hitliste der Lebensmittel, die ich liebe zu hasse.

tomate

Kaufe ich mir nicht selbst, esse es aber aus Höflichkeit bei Einladungen

Ich verstehe das Prinzip süßer Mehlspeisen nicht. Wenn schon Mehl, dann bitte Brot. Oder Pizza. Aber Dampfnudeln oder Zwetschgenknödel (womöglich noch mit Vanillesauce) zum Mittagessen? Da schmiere ich mir lieber ein Butterbrot. Ernsthaft. Gehört zusammen mit Milchreis, Waffeln, Pudding und Grießbrei zu den Sachen, die ich nur essen, wenn ich irgendwo eingeladen bin. Es schmeckt nicht schlecht, aber ich verspüre absolut kein Bedürfnis, das in meinen eigenen vier Wänden jemals zuzubereiten. Da kaufe ich mir lieber ein Stück Torte.

gemüse

Nur aus Anstand und Moral esse ich brav meinen Obstsalat bei Einladungen. Das liegt vermutlich daran, dass ich kein Freund von Obst bin, mir nie welches kaufe und bewusst auch keins esse – außer es ist Saft. Brüllt ihr jetzt ruhig „Aber Ostereopose! Aber Gesundheit!“, ich esse lieber viel frisches Gemüse – ich vermute, dass ich Fruchtsäure und Fruchtzucker einfach nicht besonders mag. Ich esse lieber knackigen Kohlrabi als eine Mandarine.

Außerdem bin ich nicht der größte Fan von Petersilienwurzeln, Sellerie und Steckrüben. Ich esse es in Restaurants und bei Freunden, selbst koche aber ich nur sehr selten damit. Ich mag weder den würzigen und intensiven Geruch noch Geschmack in ausgeprägter Form gerne, für mich schmeckt das immer auch etwas erdig.

Früher gehasst habe, jetzt geliebt

Lange Zeit aß ich konsequenterweise gar kein Gemüse. Inzwischen ist Gemüse in jeglichen Variationen mein Lieblingsessen. Und ich habe mich vielen Kindheitstraumata gestellt und festgestellt, dass meine Abneigung oft nur an der Art der Zubereitung lag. Nehmen wir zum Beispiel Rosenkohl. Allein der kohlige Geruch trieb mich früher in den Wahnsinn – die grünen Knollen standen in meinen Augen für misslunge Mahlzeiten und komplettes Versagen von Seiten des Koches. Doch seit ich dieses Rezept für glasierten Rosenkohl entdeckte, habe ich eine ganz neue Beziehung zu dem Gemüse. Oder Kohlrabi. Der ist ebenfalls relativ neu auf meiner Speisekarte und mir nicht nur roh, sondern auch in Form von Pürees ans Herz gewachsen. Auch hatte ich lange Zeit Schwierigkeiten mit Bohnen. Die mehlig – schleimige Konsistenz und die oft fade Zubereitung fand ich ungenießbar. Dann endeckt, dass die Mehligkeit und Stärkehaltigkeit von Bohnen ganz gut funktioniert, wenn mit sauer-süßen Komponenten kombiniert und viel frischen Kräutern. Thai Koriander Gemüse

Und zuletzt habe ich, wie sehr viele Menschen in Deutschland, lange Zeit Koriander verabscheut. Gerichte mit Koriander schmeckten irgendwie metallisch-seifig. Das hat sich von einen Tag auf der anderen geändert und ich mag frischen Koriander auf Salsa oder bei asiatischen Gerichten nicht mehr missen.

Lebensmittel, die ich verabscheue

Es gibt Lebensmittel, bei denen werde ich wieder zum Kind: Ich muss heimlich würgen, stochere jeden noch so mikroskopisch winzigen Bestandteil aus einem Gericht raus und bereits der Geruch treibt mich in den Wahnsinn. Ganz oben auf der Liste: Rohe Tomaten. Gekocht und püriert kann ich sie mittlerweile genießen, aber in rohem Zustand möchte ich allein schon beim Geruch kotzen. Die schlonzige Konsistenz tut ihr übrigens, so dass Tomaten das meistgehasste Lebensmittel in meinem Leben sind. Gleich danach kommt Okra. Ich schiebe meine Abneigung ebenfalls auf die schlonzige Konsistenz, darauf stehe ich grundsätzlich nicht besonders bei Gemüse. Der Geschmack tut allerdings auch nichts, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Finde ich Okra in einem Gericht, schiebe ich es unauffällig auf die Seite. Aus diesem Grund fallen auch Bananen aus meiner Ernährung raus: Sie sind mir einfach zu schlonzig. Und ehrlich gesagt schmecken sie mir auch nicht. Richtig schlimm wird es dann bei getrockneten Bananenchips. Esse ich deswegen nie.

erdbeeren

Das nächste wird euch alle schockieren: Ich hasse Erdbeeren. Jawohl, ich kann die roten Früchchen nicht ausstehen. Es ist nicht einmal so sehr Geschmack, wie die Beschaffenheit des Fruchtfleisches, das Aussehen (besonders wenn die Haut noch so weißlich ist) und merkwürdigerweise auch der Geruch. Gibt es Erdbeerkuchen, verzichte ich dankend. Bei Rhabarerkuchen auch – eigentlich mag ich saure Sachen, aber die aggressive Säure von Rhabarber ist wohl die Ausnahme der Regel.

Was Fleisch angeht, so mag ich kein Kaninchenfleisch. Nicht weil mir die fluffingen Tierchen so leid tun, sondern weil mir der starke Eigengeschmack des Fleisches nicht zusagt. Ist also ebenfalls von der Speisekarte gestrichen, genau wie Nierchen und, ja, leider auch Leber. Ich habe Rinder- und Schweineleber einige Male probiert und fand es gelinde gesagt abscheulich. Dennoch versuche ich Innereien weiterhin eine Chance zu geben, weil ich dafür bin, alle Bestandteile eines Tieres zu verwenden.

Zu guter letzt: Quark und Kefir. Generell bin ich keine Freundin von Milch oder Milchprodukten, aber den sauren und gleichzeitg fettigen Geschmack von Quark und Kefir schätze ich gar nicht. Komischerweise gilt das nicht für Ayran.

Jetzt seid Ihr an der Reihe: Welche Lebensmittel liebt Ihr zu hassen? Ich bin neugierig, ob irgendjemand meine Abneigung gegen Waffeln und meinen Hass auf Erdbeeren teilt!

 

7 Kommentare

  1. Eine klasse Idee für einen Artikel. Werde ich sicherlich mal aufgreifen, allerdings wohl erst 2016… bis dahin ist noch so viel geplant 😀

    Vom Geschmack her bin ich da aber ganz anders gepolt als du: Grießbrei, Milchreis, Erdbeeren, Bananen, Tomaten = LECKER!
    Dafür mag ich keinen Kürbis und den lieben ja sonst alle…

  2. Als Kind war meine Liste von Hass-Lebensmitteln sehr lang aber dank strenger DDR Erziehung (es wird alles aufgegessen sonst wird nicht aufgestanden) esse ich jetzt fast alles. Ich finde Senf und Meerrettich super eklig und eingelegte Sachen sind ich auch nicht so super aber ich würde sie aus Höflichkeit auch runter kriegen.
    Süsse Mehlspeisen sind aber das Allerbeste!

    • Marla Stromponsky sagt

      Ich weiß, mit meiner Abneigung gegen süße Mehlspeisen stehe ich ziemlich alleine da… Dafür könnte ich in Senf schwimmen!

  3. Hei,

    tolle Idee für einen Text. Mal foodbashing statt foodporn.

    Warme Milch und alle Speisen, die damit zu tun haben sind mir auch seit frühester Kindheit ein Graus. Eine Ausnahme bildet dabei heißer Kakao, aber da kommt soviel Kakao, Zimt und Kardamom in die Milch, dass es diesen widerlichen Warme-Milch-Geruch zum Glück schnell überdeckt.

    Meine Abneigung gegen Gänsebraten stößt auch oft auf Unverständnis. Für mich schmeckt das irgendwie immer tranig und der Geruch erinnert mich an einen vermoderten Dorfteich. Ich beschränke mich dann einfach stillschweigend auf Klöße und Rotkraut. Ach und Kassler gehört in dieselbe Kategorie.

    Ansonsten finde ich es einen Frevel Ananas auf eine Pizza zu legen. Überhaupt geht warmes Obst für mich nur in Form von heißen Kirschen und Bratapfel.

    • Marla Stromponsky sagt

      Ananas auf Pizza sollte wirklich verboten werden – die hat da nix zu suchen 😉

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