Digitales Leben, Nachhaltigkeit
Kommentare 2

Ich möchte das nicht kaufen.

kaufen

Donnerstag ging es bereits los mit dem Shopping-Wahn: Minütlich wurde ich mit Gutscheincodes, krassen Deals und reduzierten Superschnäppchen bombardiert. Black Friday nennt sich dieses neue perverse Konsumfest, dessen Angebote ironischerweise aber bis Sonntag gültig sind. Wir werden nachdrücklich aufgefordert ordentlich zuzuschlagen, denn es handelt sich ja immerhin um traumhafte Reduzierungen auf Produkte, die auf keinen Fall in unseren Kleiderschränken, Wohnzimmern und Taschen fehlen dürfen. Und hey, nicht traurig sein, wenn Ihr euer Traumschnäppchen nicht findet, denn am Montag ist Cyber Monday und ja, richtig, da winken schon wieder super Angebote und günstige Schnäppchen und auf keinen Fall solltet Ihr euch das entgehen lassen. Ist ja nicht so, dass vor und nach Weihnachten bereits weitere Preisschlachten drohen.

Wisst Ihr was? Ich möchte das nicht.

Ich habe die Schnauze voll von all dem Kaufen, Kaufen, Kaufen, von den Schnäppchen und den Sales. Irgendwo ist immer Sale und irgendwo lauert doch immer ein Gutscheincode. Ich habe die Schnauze voll von der Entleertheit und Sinnlosigkeit des Shoppings, von Produkten, die ich nicht brauche, die mich kein Stück glücklicher machen, die mein Leben in keinster Weise bereichern und die mit dem Sortimentswechsel nächste Woche out sein werden. Ich habe die Schnauze voll von der „Geiz ist Geil“-Mentalität, die mir entgegenschlägt. Ich habe die Schnauze voll von der miesen Qualität der Waren, die dazu führt, dass alles viel zu schnell kaputt geht und wir wieder neue Dinge nachkaufen müssen. Unsere Wegwerfkultur bereitet mir Bauchschmerzen, weil sie auf dem Leid von Menschen aufbaut, die in Bangladesch in Fabriken sitzen und 13 Stunden Pailletten auf Tops nähen, nur damit wir an Weihnachten ein Paillettenkleid einmal und nie weder anziehen können. Ich habe die Schnauze voll von der Heuchelei des Konsums: Eigentlich geht es uns allen finanziell gesehen schlecht, ein Brathähnchen darf maximal 1,99 Euro kosten aber für das neue iPhone geben wir dann gerne 700 Euro aus. Wir kaufen um zu sein um zu kaufen, aber wo bleibt da bitte die Zeit mal nicht einzukaufen?

Ich möchte das nicht. Ich bin des Shoppings müde, ich will nicht mehr shoppen. Aller Black Friday Versuchungen zum Trotz habe ich nichts gekauft und fühle mich trotzdem als ob ich einen viel zu großen fettigen Hamburger von minderwertiger Qualität gegessen habe und jetzt im Essenskoma fett und unbeweglich in der Ecke hocke und einen ekligen Nachgeschmack von billigem Bratenfett im Mund verspüre.  Die Konsumspirale ist vollkommen außer Kontrolle, es gibt immer neue Anlässe zu kaufen und wenn es keinen Anlass gibt, dann wird eben einer erfunden. Befeuert wird diese Entwicklung von einem Trendzyklus der sich schneller ändert als meine Meinung zu den neuen Folgen Gilmore Girls (ja? nein! aber irgendwie vielleicht doch…). Ich persönlich will mein Geld nicht mehr bei Konzernen lassen, die in Geld schwimmen und individuellen Einzelhandel, nachhaltiges Handwerk und menschenwürdige Arbeitsbedingungen vernichten.  Ich will wieder kaufen können und nicht kaufen müssen.

Wie geht es Euch? Übertreibe ich? Findet Ihr Black Friday eine gute Sache? Oder würdet Ihr am liebsten alle Gutscheincodes auf einen Haufen schmeißen und anzünden?

2 Kommentare

  1. Du übertreibst nicht. Ich war letzte Woche genauso überrascht wie angewidert, dass dieses Jahr anscheinen fast jedes Geschäft mit Black Friday Reduzierungen geworben hat. Ich frage mich, wann die breite Masse der Kunden endlich die Nase voll von der ewigen Schnäppchenjagd hat.

  2. Pingback: Leserkommentar: Anders kaufen - Endemittezwanzig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.