Feminismus
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Happy Frauenkampftag

Happy Frauenkampftag

Es ist schön, dass wir Frauen an einem Tag im Jahr Aufmerksamkeit für unsere Anliegen bekommen. Ein bisschen wie am Muttertag, wo Mutti einmal im Jahr kein Abendbrot zaubern muss, weil Vaddi das ausnahmsweise übernimmt (Mutti spült dann trotzdem ab, weil Hasi das einfach nicht so richtig hin bekommt). Ich bin aber nicht nur einmal im Jahr am Frauenkampftag Frau oder Feministin, sondern 365 Tage im Jahr. Und an den 364 Tagen, an denen Medien, Politik und Gesellschaft Frauen nicht feiern, schalte ich mein Frau-Sein nicht in Stand-by-Betrieb. So fühlt es sich dann an Frau zu sein:

  • Ich verdiene im Durchschnitt weniger als Männer im gleichen Beruf. Meine Chefs sind meistens Männer. Tatsächlich habe ich noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, in denen Frauen Schlüsselpositionen außerhalb von HR oder unterem und mittlerem Management bekleidet haben.
  • Männer erklären mir gerne die Welt. Das geht so weit, dass ich schon Ratschläge von Männern bekommen habe, wie ich mit Schmerzen während meiner Menstruation am besten umgehen soll: „Sport! Bewegung! Kann gar nicht so weh tun!“.
  • In meinem persönlichen Umfeld kenne ich keine einzige Frau, die nicht schon Opfer von Street Harrassement, Catcalling oder irgendeiner Form von sexuelle Belästigung wurde. Erzählen wir unseren männlichen Partnern, Freunden oder Bekannten von den Erlebnissen (die uns sprachlos, wütend, unsicher, traumatisiert und verletzt zurücklassen), hören wir unproportional oft „Das war bestimmt nur nett gemeint. Freu Dich doch einfach über die Aufmerksamkeit!“
  • Ich kenne keine einzige Frau in meinem persönlichen Umfeld, die jemals einem fremden Mann auf der Straße „Heißer Arsch, du geiles Stück“ hinterhergebrüllt, vorbeigehende Männer mit beifälligem Zungenschnalzen, oder Pfiffen bedacht, Männer wegen dem zur Schau stellen von zu viel / zu wenig Haut getadelt oder fremden Männern ungefragt den Arsch getätschelt hat.
  • Es gibt leider viele Bereiche in Wissenschaft und Arbeitswelt, besonders im MINT-Bereich (ich sage nur Informatik), bei denen Frauen angeborenes Desinteresse, Unfähigkeit oder Unverständnis attestiert wird. Auch beliebt ist das Argument, dass es Frauen an „Biss“ fehlt, um sich durchzusetzen. Das Männer in naturwissenschaftlichen Feldern systematischer gefördert und ermutigt werden und eine Vielzahl von männlichen Rollenvorbildern haben, wird in dem Zusammenhang gerne vernachlässigt.
  • Die Mehrheit alle Frauen ist auf Sanitätsartikel wie Tampons oder Binden angewiesen. In meinen Augen ein notwendiger Anspruch, in den Augen der Bundesregierung „Luxusartikel“, auf die 19% Steuern aufgeschlagen wird. Laut einem Artikel der taz wird dagegen für Toilettenpapier, Kaviar und Blumen nur 7%  Steuern fällig. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber meine Periode ist für mich nicht so sehr ein Luxus, den ich mir frecherweise gönne, sondern einfach eine gegebene Tatsache.
  • Als Frau werde ich von der Gesellschaft oft und gerne auf meinen Körper und mein Aussehen reduziert. Wir Frauen sind zu fett, zu dünn, zu groß, zu klein, zu viel Arsch, zu wenig Busen, zu wenig Haar, zu viel Haar – seit unserer Kindheit kennen wir die einschlägigen Optimierungsregionen unseres Körpers. Zum Glück gibt es Cremes, Sprays, Gels, Emulsionen, Kleider, Lotion und OP’s, um unsere Körper zu in die gewünschten Formen zu pressen. Man(n) stelle sich nur vor, wir würden all die Zeit, die wir mit der Optimierung unserer Körper und unseres Aussehens verbringen, mit anderen Dingen verbringen.
  • Aber bitte nicht mit eigenen Gedanken! So habe ich in meinem Leben nicht nur einmal den Datingratschlag erhalten „Zeig ihm auf keinen Fall, dass Du schlauer bist als er, das mögen Männer nicht. Versuche lieber mal, etwas weiblicher zu sein.“ Schön, dass ich in einer Welt lebe, in der ich meinen eigenen IQ herunterschrauben darf, um die Gefühle der zartbesaiteten Männerwelt nicht zu verletzten. Hört man als Junge auch solche Ratschläge? „Hey Bro, gib ihr auf jeden Fall das Gefühl, dass sie schlauer ist als Du, sonst klappt das nie mit dem Heiraten. Und du weißt ja, die biologische Uhr tickt!“

Happy Frauenkampftag! Was ist Eure Meinung zum Frauentag? Vermisst Ihr an anderen Tagen im Jahr die Aufmerksamkeit für Eure Anliegen? Oder findet Ihr, dass der 8. März ein prima Tag ist, um Zeichen zu setzen, wie zum Beispiel mit dem Women’s March? Eure Meinung zu dem Thema interessiert mich sehr!

 

2 Kommentare

  1. lene sagt

    zu Punkt 4 _ „Ich kenne keine einzige Frau in meinem persönlichen Umfeld, die jemals (… ) Männer wegen dem zur Schau stellen von zu viel / zu wenig Haut getadelt (…)“
    –> Stimmt! Aber es gibt Frauen, die solche Taktiken anwenden! Mütter zum Beispiel. Oder aus Neid oder anderen Gründen verwandeln sich Frauen in Ihrer Sprache zum männlichen Gegenüber – nicht zuletzt um sich voneinander abzugrenzen…

  2. Pingback: Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 12. März 2017

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