Beste Freunde, Frau Stromponsky sr.
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Frau Stromponsky sr.: Auf den Hund gekommen

Hund Border Collie

Liebe Marla,

„Das Leben ohne Hund ist möglich aber sinnlos“ so oder ähnlich formulierte der große Loriot seine Liebe zu den Vierbeinern. Ich schließe mich seiner Meinung zu 100% an.
Ein Leben ohne den Hund hat keine Intensität und keine Tiefe.
Weiß Du noch, den Anfang machte Ashley, eine quirlige Border-Collie Dame, die unsere Familie für ein Rudel Schafe hielt. Sie hütete jeden Einzelnen und war überglücklich, wenn endlich alle gemeinsam am Tisch saßen. Gott sei Dank hatten wir damals zwei Kater. Da diese nie am Tisch sitzen wollten, war das Hüten dieser Lebewesen allerdings nie von so einem Erfolg gekrönt wie bei uns Menschen. Ashley war sehr aufmerksam und lernte schnell alle Kommandos. Ich erzog sie nonverbal und sie reagierte gigantisch auf die Bewegungen meiner Arme, Hände und Finger. So manche Hundebesitzer beneidete mich dafür, dass Ashley bei ausgestreckten linkem Arm nach links lief, bei ausgestrecktem rechtem Arm nach rechts.Hund Border Collie

Ich dagegen habe bis heute große Probleme mit links und rechts. Auch die ausgestreckten Arme würden bei mir nichts bewirken. Im Auto z. B., wenn Dein Vater zu mir sagt:“ Schatz, wir sind gleich da, Du musst jetzt nach rechts abbiegen“, bin ich zuerst total kopflos. „Oh ne, wie ist das jetzt, rechts sagst Du, wo ist rechts? “. Und dann fahre ich, darauf kannst Du wetten, nach links. Ganz entspannt. Wäre es politisch und rechtlich möglich gewesen, Dein Vater hätte meinen Führerschein längst auf den Hund überschreiben lassen. Irgendwie kann ich ihn verstehen.
Ashley brachte Euch Kinder dazu, das Haus zu verlassen und die Gegend zu erkunden. Nur durch sie habt ihr täglich ausreichend Kontakt mit Sauerstoff und Bewegung gehabt.
Wir liebten sie vom ganzem Herzen. Irgendwann ist sie alt geworden und zog sich, schon ganz müde, in den Hundehimmel zurück. Ihre sterbliche Hülle ruht in unserem Garten. Ich beschloss nie wieder einen Hund zu wollen. Die Trennung war zu schmerzlich.

Hund Berner Senner

Bis nach genau 24 Monaten Dein Bruder Bobby aus einem Tierheim befreite.
Bobby war ein Riese und wunderschön. Ein Berner-Senner Mix, 40 Kilo Körpergewicht. Er mochte die Pfleger im Tierheim nicht, hatte manche von ihnen gebissen und galt dadurch als nicht vermittelbar. Am ersten Tag bei Stromponskis mutierte die Bestie zum Lamm. Er folgte aufs Wort, hielt sich an fast alle Regeln und wollte einfach Teil der Familie sein. Das ging bei seiner Größe nicht immer, aber auch das Alleinsein im Haus war mit der Zeit okay. Bobby war ein sehr, sehr, sehr verfressener Hund und er liebte es, unser Essen zu klauen. Weil er so groß war und mit dem Kopf über den Tisch ragte, war vieles möglich. Manchmal verschwand die ganze Butter vom Tisch, ein anderes Mal 300 g Gouda, geschnitten. Und wenn es das Schicksal besonders gut mit ihm meinte, verschwand ein ganzer Braten. Wir kannten alle sein Hobby und passten auf wie Geier. Er war trotzdem schneller. Ich weiß bis heute nicht, wie er es gemacht hat. Das Geheimnis seiner erfolgreichen Raubzüge nahm er mit in den Hundehimmel. Seine sterblichen Reste ruhen in unserem Garten. Ich beschloss nie wieder einen Hund zu wollen. Zwei Trennungen waren genug.

Etliche Monate gingen ins Land, es sind schließlich Jahre geworden. Wir, inzwischen nur noch Dein Vater und ich, genossen die neue Freiheit. Toll! Keine Verpflichtungen mehr! Endlich spontan entscheiden! Phänomenal. Bei jedem Wolkenbruch saßen wir gemütlich zu Hause, genossen ein Gläschen Wein und die Trockenheit in den eigenen vier Wänden. Wir bewegten uns meistens mittels Auto und sind extrem faul geworden. Das bestätigte mir auch die Badezimmerwaage – fast sechs Kilo mehr auf den Rippen als zu Hundezeiten.
„So eine Scheiße aber auch.“ Und weil mir nur noch eine Hose passte, fiel die Entscheidung wolkenbruchartig. Ein Hund muss hier.
Wir haben also wieder einen Hund. Es ist das Fräulein Lucy, ein kleiner Collie-Mix, sechs Monate alt und mitten in der Pubertät. Lucy ist anhänglich, ein wenig scheu, aber sehr neugierig. Sie liebt lange Spaziergänge und findet die Leine doof. Genau wie ich. Wir schlafen wie Steine, so viel Bewegung, so viel Sauerstoff. Vor drei Tagen gab es einen Wolkenbruch, ich war gerade mit Lucy im Wald. Der Hund genoss jeden Regentropfen, ich fluchte ohne Ende.

Hund Collie Mix

Wie ist das mit der Freiheit wirklich? Es kommt nur auf die Größe des persönlichen Schweinehundes an. Meiner ist wirklich groß. Womöglich 40 Kilo. Oder sogar mehr. Freiheit ist nicht nichts tun zu müssen, sondern etwas tun zu dürfen.

Küsschen, Mama.

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