Frau Stromponsky sr., Nachhaltigkeit
Kommentare 1

Erdbeeren im Februar

Erdbeeren

Liebe Marla,

„Die Zukunft der Menschheit hängt nicht mehr davon ab, was sie tut, sondern mehr denn je davon, was sie unterlässt“.

Eine Karte mit diesem Spruch hängt in meiner Küche. Gestern beim Einkaufen kam sie mir wieder in den Sinn. Unser Toilettenpapiervorrat war bedenklich geschrumpft , also fuhr ich gestern in den Supermarkt, um Schlimmes zu verhindern. Denn igitt, nicht auszudenken, zu einer Zeitung greifen zu müssen? Womöglich mit dem Bild eines blonden Imperators? Nein. Gepflegter Abgang braucht gepflegte Utensilien. Am liebsten vierlagig und in Weiß.

Im Supermarkt angekommen, kümmerte ich mich zunächst um meine Entspannung. Ich bestellte mir eine Tasse Kaffee und ein Stück Zwetschgenkuchen mit Sahne. Herrlich, ganz ohne Stress im Tempel des Überflusses anzukommen. Eile war gestern. Ich trank also in aller Entspanntheit meinen Kaffee, lauschte den Rhythmen von Elvis und beobachtete die Menschen, die bereits ihre Einkäufe über das Kassenband schoben. Und was fiel mir sofort auf? Erdbeeren. Im Februar?

Klimaerwärmung hin oder her, auf heimischen Feldern liegt noch mancherorts Schnee! Ich brachte das Kaffeegeschirr zurück und steuerte die Gemüseabteilung an. Zwischen den gewachsten Äpfeln aus Ägypten und den unreifen Orangen aus Portugal lagen sie: Die zu roten und überdimensional großen Erdbeeren aus Peru. Eine Kostprobe war möglich, ich griff zu. Nein, dieser Geschmack war mir unbekannt. Eine junge Frau neben mir freute sich laut: „Ah, wie schön, die Erdbeersaison hat endlich begonnen.“ Und nahm gleich drei Portionen mit. Hätte ich ihr sagen sollen, dass sie einem Irrtum unterlag? Das die richtige Saison erst in vier Monaten beginnt? Ich ging schweigend an ihr vorbei, auch an Zucchini aus Kalifornien, an frischen Kartoffeln aus der Türkei, an Tomaten aus weiß der Kuckuck von wo, an Zwiebeln aus Israel. Endlich fand ich mein Toilettenpapier, vierlagig, weiß, im 12er Pack.

Ich esse zu 80% saisonal. Und mein Gehirn vollzieht gerne einmal Wendungen, die zu absurden Käufen führen. Aber nicht Erdbeeren im Februar! Aus Peru!
Saisonal und regional zu essen bedeutet, sich an der Vielfalt und Reichtums des Sommers und Herbsts zu erfreuen und sich mit dem wenigen des Winters und des Frühlings zu begnügen. Diese Lebensweise macht alle Diäten überflüssig. Ich freue mich auf die neue Ernte. Bis dahin gibt es Sauerkrautvariationen, oder rote Beete, oder Karotten oder Kohl, oder oder. Gar nicht mal so wenig Auswahl!

Küsschen, Mama

1 Kommentare

  1. Pingback: Linkliebe № 3 - LexasLeben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.