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Endemittetrifft: Helena von Helena Makes Cakes

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Liebe Helena, ich finde ja, du hast den wunderschönsten Akzent – erzähl doch mal kurz was zu Dir. Was machst Du, woher kommst Du und wie hat es Dich eigentlich nach Leipzig verschlagen?
Da muss ich schmunzeln. ☺ Also, ich komme aus Südafrika. Ich bin in Johannesburg geboren und habe als Kind ein paar Jahre in Botswana gelebt bis meine Familie wieder zurück in die Kap Region gezogen ist. Als meine Familie 2001 nach Deutschland (zurück)gezogen ist (mein Vater ist Deutscher und in seiner Jugend nach Südafrika ausgewandert), bin ich in Afrika geblieben, habe dort die Schule beendet und danach in Kapstadt studiert. 2009 bin ich nach Deutschland gekommen, um wieder in der Nähe meiner Familie zu sein. Mein Vater wohnte damals in Leipzig und Voila! Ein Studium der Verlagswirtschaft, ein Mann und zwei Kinder später bin ich inzwischen glücklicher Leipzigerin.

Ich kenne Dich schon eine Weile, aber wusste nie, dass Du backst. Als ich dann zum ersten Mal ein Bild von deinen Werken sah, dachte ich nur: Holy Fuck, die Frau kann RICHTIG gut backen. Als jemand, der überhaupt nicht backen kann, muss ich mal ganz doof fragen: Wie lange dauert es eine dreistöckige Torte zu backen und verzieren?
Danke! Es kommt darauf an was es für eine Torte ist. So ein Naked Cake ist natürlich viel einfacher, weil man alles nur stapeln muss und Unregelmäßigkeiten machen die Torte nur charmanter. Eine traditionellere Torte mit Fondant dauert länger und kostet Nerven. Ich würde sagen, durchschnittlich braucht so eine Torte um die zehn Stunden an Arbeit.

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Du verwendest viele frische Früchte und ich sehe auch immer mal wieder einen „raw“ cake. Wie wichtig sind Dir Bio, vegane Zutaten und Nachhaltigkeit beim Backen?
Ich bin nicht vegan und bin ehrlich sehr skeptisch, was diese „Health-Welle“ angeht. Damit meine ich Leute mit einem tollen Instagram Account volle Health Bowls und Mason Jar Smoothies, die behaupten zu wissen, was der menschliche Körper braucht, ohne dazu ausgebildet zu sein. Ich finde generell die Obsession mit Gesundheit, Fitness und Essen zutiefst narzisstisch und oft extrem moralistisch. Die neue „Clean Eating“ Bewegung ist eben so ein Beispiel. Die Schlussfolgerung dieser Bezeichnung ist doch, dass wenn ich nicht genau so esse, dann bin ich dirty, also schmutzig? Ich finde Raw Food fällt sehr schnell unter diese Kategorie.

Meiner Meinung nach ist Gesundheit oder diese zugespitzte Instagram-Gesundheit für manche Menschen eine neue Frommheit oder Religionsersatz. Das Mantra ist dann „Ich verzichte und bin dadurch reiner“. Mir fällt auch oft auf, dass sehr viel Wert darauf gelegt wird das die Produkte regional und saisonal sind. Aber dann gibt es drei Zutaten im Rezept, zum Beispiel Baobabpulver, Kokusblütenzucker oder Himalaya Salz, die ganz gewiss nicht aus sächsischen Anbau stammen. 

Dazu muss ich aber auch sagen, dass mir vollkommen klar ist das wir uns bewusst und nachhaltig ernähren sollten. Zu viel raffinierter Zucker ist natürlich ungesund, aber beim klassischen Backen leider nicht zu vermeiden. Eine Freundin von mir wollte einen raw Kuchen für ihre Hochzeit haben und hat mir das Backbuch „Clean Cakes“ von Henrietta Inman geschenkt. Trotz meiner anfänglichen Skepsis fand ich es dann super spannend mit neuen, ungewohnten Zutaten zu kreieren und hatte echten Spaß mit dem Buch. Die Rezepte sind gut und geschmacklich perfekt balanciert und es ist nicht einfach ohne Getreide, Zucker und Butter leichtes Gebäck zu zaubern. Es war völlig neues Territorium für mich und ich habe es sehr genossen. 

Generell ist es mir wichtig, dass meine Zutaten aus biologischem Anbau stammen, nicht weil ich finde, dass sie dadurch unbedingt gesünder sind. Aber wir schaden der Umwelt weniger damit und hoffentlich erfahren die Nutztiere bessere Bedingungen.

Und noch doofer gefragt: Warum will man überhaupt die Zeit und das Geld investieren, um eine dreistöckige Torte backen? Ich kann ja auch einfach schnell Kuchen vom Bäcker holen.
Kann man auch und ich bin immer wieder beeindruckt, wie gut der „Bäcker an der Ecke“ in Deutschland ist. Ich kenne diese Qualität nicht aus Südafrika. Aber mir macht es Spaß eine dreistöckige Torte zu backen. Das Tolle am Backen ist, dass man erstmal für sich allein was kreiert und das Ergebnis dann mit anderen teilt. Kuchen ist fast immer mit zelebrieren oder zusammenkommen verbunden. Eine Hochzeit, ein Geburtstag oder einfach nur am Sonntag mit Freunden zusammen Kaffee und Kuchen genießen. Kuchen ist immer ein Highlight und genau das liebe ich.

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Backen ist ja Dein Hobby, du bist keine ausgebildete Bäckerin oder Köchin. Wie lernt man so zu backen? Hast Du schon als Kind gerne gebacken oder kam die Faszination „Tortenbäckerin“ erst später?
Ich habe tatsächlich schon als Kind gebacken. Wie bestimmt bei vielen anderen Kindern auch, hat meine Mutter mich in die Küchenarbeit eingebunden. Zum Beispiel hatte ich eine Cupcake Rezept aus einem Kinderbackbuch, das ich immer wieder backen durfte. Generell wurde bei uns zu Hause viel gebacken. Mein Vater ist ebenfalls begeisterter Hobbybäcker und schickt mir immer wieder Bilder seiner Backerfolge. Er arbeitet momentan in England und wir tauschen uns immer über die Serie The Great British Bake Off aus.
Backen als ernstzunehmendes Hobby betreibe ich in der Form aber erst seit ein paar Jahren. Als ich in Elternzeit mit meinem ersten Kind war, hatte ich viel Zeit während sie schlief und fing an zu backen. Die Inspiration dahinter kam durch Rezepte und Bilder von Pinterest und Instagram. Nachdem klassische Rührkuchen mir zu langweilig wurden, habe ich mit Baiser, Brandteig, Ganache, Cremes und Karamell experimentiert. Ich bin immer Stückchen mutiger geworden in dem was ich backen wollte.

Wenn ich keine Ahnung vom Backen, aber nach dem Anschauen deiner Torten denke: Das will ich auch können – wo und wie fange ich an? Was ist ein guter Einstiegskuchen?
Erstens: Backe das was dir schmeckt. Du findest online Rezepte für alles. Zweitens: Kaufe Dir ein gutes Backbuch, in dem die Basics erklärt werden. Backen ist eine Wissenschaft und je besser Du die Bausteine versteht, desto besser wirst du backen können. Drittens: Es ist selten gar nichts zu retten. Selbst wenn es nicht genau so aussieht, wie Du es Dir vorgestellt hast, schmiere noch eine Schicht Schokolade drauf, streue ein Handvoll Kirschen drüber und es wird gut aussehen. Das macht dann auch Lust wieder zu backen.

Gibt es Blogs oder Bücher, die Dich in deinem Tun beeinflußt haben oder inspirieren?
Meine neuster Baking Crush ist Yvette von Boven. Ihr Buch Home Baked ist der HAMMER. Mein Lieblingsrezept aus dem Buch sind Blätterteigschiffchen mit Pistaziencreme und Himbeeren. Und super easy ist es auch! Ihr Foodstyling und ihre Fotos sind sehr lässig und ein wenig unordentlich und das finde ich sympathisch. Zu steife Bilder machen kein Appetit. Und dann noch Saad Bahbahani Ich sage nur: Punk Cakes!

Was backst Du am liebsten?
Scones. Sehr schnell und immer ein Renner. Mit Schlagsahne und Marmelade oder frischen Kirschen und Ahornsirup…. mmmmmh.

Und welchen Kuchen isst Du am liebsten?
Lemon Meringue Cake!!

Für wen backst Du Kuchen? Und backst Du auch für Geld?
Für Freunde und meine Familie. Und ich würde gerne Workshops in Zukunft anbieten.

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Hast Du manchmal Angst, durch das Tortenbacken auf den Stereotyp der niedlichen Hausfrau reduziert zu werden?
Definitiv. Noch schlimmer – Momprenuer! Manchmal wünsche ich mir, meine Mutter hätte damals mit mir Motoräder repariert statt Cupcakes gebacken.

Wie gehts bei Dir weiter – könntest Du Dir vorstellen, Helenamakescakes zu Deinem Beruf zu machen? Oder würde dann der Reiz des Backens dem grauen Berufsalltag weichen?
Gerade arbeite ich an einem Backbuch, das im Herbst 2017 erscheinen soll. In der Vorweihnachtszeit gebe ich außerdem einen Schokoladen-Workshop in Leipzig im Zusammenarbeit mit Penny Vertone Porzellan. Ansonsten backe ich einfach gerne weiter für Freunde und Familie. Dieses Wochenende zum Beispiel mach ich mich an einen ein Meter hohen Dessert Tower. Das bereitet mir zugegeben schlaflose Nächte – aber wenn alles so klappt wie ich mir das vorstelle wird es ziemlich grandios.

Mehr von Helena gibt es bei Facebook.

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