Endemittekocht
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Endemittekocht Weihnachtsspecial: Annekathrin Kohout

Endemittekocht Blutwurst

Gegessen wird immer, aber wie? Und wie sah Essen eigentlich aus, bevor wir es 30 Minuten sorgfältig für Instagram inszenierten und dann im Anschluss kalt aßen? In der Kolumne Endemittekocht dokumentieren EMZ-Leser, was bei ihnen Abends auf den Tisch kommt, und schreiben auf, warum. Heute: Annekathrin Kohout, die Frau, die so viel über Popkultur (und tumblr) weiß wie sonst eigentlich niemand.

Freitag 23.12.

Endemittekocht Blutwurst

Blutwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei. Das gibt es einmal im Jahr, insofern die Wurst übrig geblieben ist und nicht verkauft wurde in Neu-Isenburg. Dort stehe ich zwei Tage im Dezember hinter einem Original-Thüringer-Rostbratwurst-Stand, auf dem dortigen Weihnachtsmarkt, und verkaufe Thüringer Rostbratwürste. Die sind wirklich original, auch wenn das viele Neu-Isenburger nicht glauben wollen, sondern immer – und bevor sie die Wurst gegessen haben – behaupten: „Dass sind doch nicht wirklich originale Thüringer.“ Doch, sind es. „Und ist das auch original Thüringer Senf?“ Ja, Born Senf. Dann studiert der Gast das Etikett und ist sichtlich enttäuscht, wenn er bemerkt, dass ich nicht geschwindelt habe und der Senf original ist. Ich weiß auch nicht warum, aber es kommt oft vor.

Welchen Stellenwert hat Essen in deinem Leben?
Hohen Stellenwert. Ich esse nicht nur gerne, sondern fotografiere auch fast alle meine Speisen. Die Vorstellung, das meiste, was ich in meinem Leben gegessen habe, dokumentiert zu haben, gefällt mir.

Samstag 24.12.

Endemittekocht Heiligabend

Neu-Isenburg ist die Partnerstadt von Weida, dem Ort, wo ich aufgewachsen bin. Meine Großeltern hatten eine Fleischerei (Der Slogan: „So frisch, so gut – Kohout“) und deshalb beteiligt sich meine Familie seit der Wende, seit 1990, am städtischen Austausch. Darüber haben wir Dietgund kennen gelernt, die sehr gute Plätzchen bäckt und die wir bis heute jedes Jahr am 24.12. um circa 16 Uhr verspeisen. Wir nennen sie die „Dietgund-Plätzchen“, denn es ist rührend wie unablässig sie für uns Weihnachtsgebäck produziert.
Am Weihnachtsabend gibt es immer Kalbsschnitzel mit Champignons, Kartoffeln und Spargel. Ich weiß wirklich nicht wieso und habe dieses Jahr extra nachgefragt, um hier eine Antwort geben zu können, aber meine Eltern können sich auch nicht erinnern, wie das zustande kam.

Was ist dir beim Essen und Einkaufen besonders wichtig? 
Das Übliche. Fleisch aus der Fleischerei zum Beispiel.

Sonntag 25.12.

Dieses kunstfotografische Meisterwerk hat meine Oma geschaffen, die gerade What’s App für sich entdeckt hat. Es ist unsere alljährliche Weihnachtsgans. Dazu gibt es Rotkraut und Klöße, wie zu fast allen festlichen thüringischen Gerichten. Beim Verspeisen der Weihnachtsgans muss ich immer an „Das Muschelessen“ von Birgit Vanderbeke denken, denn es ist jener Moment, in dem die Stimmung langsam kippt, sich das wohlwollende Benehmen in zunehmenden Aggressionen aufzulösen beginnt. In der sich die Komplexität familiärer Beziehungen und vor allem ihre Konflikte nicht länger verdrängen und damit verbergen lassen.

Mittags warm und abends kalt oder andersrum? 
Andersrum.

Wo isst du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa? 
Zusammen am Tisch, allein auf dem Sofa.

Montag 26.12.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag laden die Großeltern mütterlicher Seite zum Essen ein. „Die Altstadt“ möchte ein typisch thüringisches Lokal sein, ist aber leider ziemlich derb. Vielleicht ist mir aber auch einfach nur schon schlecht von so viel Thüringisch. Es gibt dort sechs Gerichte, die sich nur vom Fleisch her unterscheiden. Zu allen gibt es zwei riesige und ziemlich matschige Klöße, Rotkraut und derart viel Soße, dass das Fleisch darin ertränkt wirkt. Das Essen kommt etwa 2 Minuten nach Bestellung. Das ist gut, weil sich die Familienmitglieder mittlerweile nicht mehr viel zu sagen haben und im Grunde froh darüber sind, wenn sich dazu gar nicht erst die Gelegenheit bietet. Ich habe mich dieses Jahr für Rinderroulade entschieden. Das kleine Fleischstück links im Bild war aber irgendetwas anderes. Muss wohl versehentlich dort gelandet sein…

Was war dein Lieblingsessen als Kind? 
Fischstäbchen.

Hast du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen? 
Eigentlich nicht.

Dienstag 27.12.

Endemittekocht Lachs

Endlich wieder in Leipzig. Es gibt Fisch, ein bisschen Lachs und Thunfisch, dazu Fenchel-Porree-Brokkoli-Gemüse an ein wenig Soja-Soße. Hat selten so gut geschmeckt. Ich resümiere die letzte Tage gedanklich mithilfe von Peter Weiss’ „Abschied von den Eltern“, der Lektüre eines taz-Artikels („Rückkehr nach Flörsheim“) und der Bestellung des viel gelobten neuen Buches von Didier Eribon, „Rückkehr nach Reims“.

Was trinkst du zum Essen?
Wein.

Wie oft gehst du auswärts essen und hast du ein Lieblingsrestaurant? 
Oft. Das beste Lokal in Leipzig ist eindeutig das Münsters.

Mittwoch 28.12.

Es gibt mein absolutes Lieblingsessen: Pho Bo, Instant. Ich kaufe diese delikate Speise immer in München, obwohl es die bestimmt auch in Leipzig gibt. Habe schon öfter darüber nachgedacht, wieso. Vielleicht versuche ich, das genüssliche Fertiggericht dadurch aufzuwerten? Instant Pho Bo – aus München. Das klingt doch nach was.


Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal für dich selbst gekocht hast und wer dir das Kochen beigebracht hat? Zählt Hühner-Nudeltopf aus der Dose?

Was isst du, wenn es schnell gehen muss?
Instant Pho Bo.

Donnerstag 29.12.

Dieses kleine rosa Häufchen ist Tarama, eine griechische Spezialität aus gesalzenem Fischrogen. 💩💗

Was magst du gar nicht? 
Warme Paprika.

Wer soll diesen Fragenbogen als nächstes ausfüllen?
Philipp Baumgarten, weil ich weiß, dass er gerne kocht, gerade viel mit arabischen und spanischen Essen experimentiert und außerdem ein fantastischer Fotograf ist.

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