Endemittekocht
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Endemittekocht: Nora Damjenkowa

„Wie sah Essen eigentlich aus, bevor wir es 30 Minuten sorgfältig für Instagram inszenierten?“, fragt unsere Kolumne Endemittekocht. EMZ-Autorin Nora schwört, noch nie ein Essen inszeniert zu haben und sieht das Thema überhaupt recht pragmatisch: Ein bisschen Küchenbarbarei, gepaart mit augenzwinkernter Hausmannskulinarik, darf schon sein.

Beim Kochen ist es wie in vielen Dingen: Eigentlich bin ich darin nicht so schlecht. Aber wenn’s schnell gehen muss, wird auch gerne mal geschludert. Also lautet das Prinzip: Grundidee plus „Mal gucken, was noch im Kühlschrank ist“. Einzige Regel: kein Maggi-Tütenkrams. Alles andere ist humorvolle Improvisation. Im Zweifel noch ein bisschen Pfeffer drauf. Oder geriebener Käse. Guten Hunger!

Montag: Spinatkartoffelbreirührei


Wochenauftakt mit einem souveränen Klassiker. Ein absolutes Standardgericht, das allein schon aus allgegenwärtigem „Was machmern heut Abend?“-Ideenmangel einmal in der Woche auf jeden Fall auf den Tisch kommt. Der Kartoffelbrei ist selbstgestampft und mit Butter verfeinert. Außerdem habe ich im Kühlschrank einen Rest Sahne gefunden und den statt Milch rangeschüttet. Weil ich’s kann. Der Spinat ist selbstgepflückt. Aus dem Tiefkühlregal.

Welchen Stellenwert hat Essen in deinem Leben?

Ich esse gerne und ich esse gerne reichlich. Und ich esse gerne in Ruhe und angenehmer Stimmung. Im Zweifelsfall schmecken dann die kalten Dosenravioli ebenso deliziös wie ein sorgsam durchkomponiertes Drei-Gänge-Menü.

Dienstag: Seelachsfilet an Gemüse-Butternudeln


Sieht aus als hätte ich chich gekocht, war aber gar nicht mal so lecker. Also so mittel. Ich  mag gerne Gemüse schnibbeln. Möhre, Paprika und Zucchini gehören zu meinen persönlichen Klassikern. Leider habe ich die Würzung irgendwie verkackt und zu viel von dieser Planzencreme an die Nudeln geschüttet. Egal. Ich koche gerne reichlich, damit ich am nächsten Tag mittags noch was habe. Ist alle geworden.


Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal für dich selbst gekocht hast und wer dir das Kochen beigebracht hat? 

Beigebracht niemand so recht. Ich durfte / musste immer mal beim Schnibbeln helfen und hatte es schon vor meinem zehnten Lebensjahr zu einer gewissen Meisterschaft im Kartoffeln schälen gebracht. Ansonsten habe ich wohl eher so nebenbei ein Gespür für solide Hausmannskost mitbekommen. Zum ersten Mal für mich selbst gekocht habe ich mit einer Freundin zusammen zu Grundschulzeiten mehr oder weniger heimlich, als wir einmal schon nach der vierten Schulstunde nach Hause gehen durften: Nudeln mit Soße. Apropos…

Mittwoch:  Nudeln mit Jagdwurscht und Tomatensoße


Meine liebe Freundin J. übernachtete bei mir. Wir haben sorgsam beratschlagt, was zur Feier des Tages auf den Tisch kommt. Nachdem Pizza bestellen abgeschlagen auf Platz zwei (von zwei) gelandet war, stand dem kulinarischen Kindheitstraum nichts mehr im Wege. Inklusive Jagdwurstnaschen bei der Essensvorbereitung.

Wo isst du am liebsten, am Tisch oder auf dem Sofa?

Faustregel: Wird nicht mehr als ein Besteckteil benötigt, auf dem Sofa. Muss mit Messer und Gabel hantiert werden, ist am Tisch die bessere Wahl. Außerdem dann, wenn ich den Anschein von kulturvollem Speisen wahren möchte. Und wenn Besuch da ist.

Donnerstag: Maultaschen, Kartoffelsalat und Gemüsevariationen


Vorläufiger Höhepunkt meiner Essenswoche. Denn hier kommt meine Kernkompetenz zum Tragen: mit dem arbeiten, was da ist. Denn Einkaufen war heute nicht. So entstand dieses Menü mit drei beherzten Griffen in den Kühlschrank: abgepackte Maultaschen (gar nicht mal schlecht), Kartoffelsalat aus dem Plasteeimerchen (MHD vorgestern) und was die angerissenen Oliven- / saure-Gurken-Gläser vom Silvesterabend noch so hergeben. Und Paprika ist eh immer da. Alles hübsch anrichten, das Auge isst schließlich mit. Lecker.

Was magst du gar nicht?

Leber. Und Scharfes.

Freitag: Lasagne


Zugegeben, optisch macht das einen leicht problematischen Eindruck, aber das liegt eher an meinen mangelnden Essensinszenierfähigkeiten als am Gericht selbst. Was also aussieht wie ein mittlerer Brandschaden, ist in Wirklichkeit eine köstliche und liebevoll mir zu Ehren zubereitete Lasagne à la Bolognese. Bekocht werden schmeckt eh am besten.

Mittags warm und abends kalt oder andersrum?

Geht alles. Meinetwegen auch zweimal warm.

Samstag: Systemgastronomie

Ich habe ein Foto gemacht. Aber das würde den fälschlichen Eindruck bewusster Produktwerbung vermittlen. Aber pfui! Ich hatte Hunger und es musste schnell gehen. „Im Menü ist das günstiger.“ Na dann. Pommes, Cola, Hähnchenburger. Das mit den Eiswürfeln im Getränk ist mir immer wieder ein prima Schlechte-Laune-Garant. Der Rest lohnt keinen Kommentar.

Wie oft gehst du auswärts essen und hast du ein Lieblingsrestaurant?

Gar nicht mal so oft. Überhaupt bin ich einer dieser Kleingeister, die stets erst einmal dem Reflex wiederstehen müssen, auswärts genau das zu bestellen, was sie ohnehin ständig daheim essen. Allerdings frühstücke ich sehr gerne und ausschweifend auswärts und esse gern Kuchen in winzigen Cafés.

Sonntag: Hack-Lauch-Käsesuppe


Einmal in der Woche versuche ich anständig und ironiefrei zu kochen. Das gelingt mir im Falle dieser Suppe auch außerordentlich gut. Der Höhepunkt beim Zubereiten ist das genussvolle Riechen an der frisch griebenen Muskatnuss. Betörend. Und die Suppe einmal mehr hervorragend.

Was isst du, wenn es schnell gehen muss?

Bemme mit Wurst.

Wer soll diesen Fragenbogen als nächstes ausfüllen?

Vielleicht hat ja die Fräulein Immergrün Lust?

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