Frau Stromponsky sr., Nachhaltigkeit
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Ein Brief von Frau Stromponsky sr: Impressionen aus der Backstube

Backstube

Liebe Marla,
Freitag, 3.30 Uhr, der Wecker klingelt. Und klingelt. Und klingelt. Endlich werde ich wach und drücke den nervigen Klingelton aus. Noch kurz liegenbleiben. Dann aber ins Bad, anziehen und zum Auto. In 20 Minuten geht es los.
So beginnt mein Brotbacktag auf dem Demeterhof meiner Freundin Gerda Vogel in Eberhardsweiler bei Welzheim. Wir backen jeden Freitag ca. 150 leckere Brote, unterschiedlichsten Couleurs.

Backofen Backstube

Der Bestseller ist das unschlagbare Holzofenbrot aus einem ganz besonderem Sauerteig. Dieser ist uralt und wurde noch von Gerdas Mutter angesetzt. Ich glaube, er kennt noch das geteilte Deutschland und die Schlaghosen aus Gerdas Jugend. Man entnimmt dem fertigen Brotteig einen Teil und benutzt ihn beim nächsten Backen als Sauerteig wieder. Er kommt ohne jegliche Zusatzstoffe aus und liefert gigantische Ergebnisse. Diese Brote schmecken sehr, sehr lecker, sind lange haltbar und ganz interessant- sie sorgen für einen guten Abgang! Ihr Lieben – was hinten herauskommt ist wichtig, es zeigt wie gut unsere Därme arbeiten und wie es um uns steht. Deshalb achte ich akribisch darauf was vorne reinkommt, damit es hinten immer stimmig bleibt. Natürlich gehören dazu viele fermentierte Lebensmittel, wie auch schon in Leipzig wiederentdeckt.

Backstube Holzofen Brot

Ich esse nicht politisch korrekt. Für mich sind tierische Fette und Cholesterin keine Gifte, sondern essentielle Bestandteile meiner Ernährung. Die naturbelassene Butter, Eier, Rohmilch, Fleisch aus Weidehaltung – alles gesundes Essen mit enormer Heilkraft. Für viele jedoch verpönte Krankmacher. Noch heute denke ich an die mit Liebe zubereitete Knochenbrühe meiner Oma. Damit kurierte sie meine Erkältungen und auch Kummer nach eine 5 in Mathematik.
Gerda, Elke und ich backen mit Liebe. Fast alle Vorgänge, bis auf das Kneten, verrichten wir mit der Hand. Unser Teig bekommt viel Zeit zum Aufgehen und danach zum Ruhen. Wir backen nicht nach der Uhr, sondern nach Gefühl. Wir backen anders im Winter und anders im Sommer, anders bei Regen und anders bei Trockenheit. Das „Wie“ bestimmt allein der Teig. Und die Hitze des Holzofens. Es ist eine Wissenschaft für sich diesen Ofen anzuheizen. Alles sehr altes Wissen, das in Gerdas Familie sorgfältig gehütet und angewandt wird.

Brotkorb Backstube

Wie Du siehst, es ist mein Brief ein Plädoyer für ökologisches Essen. Die Produktion gesunder Produkte erfordert altes Wissen und keine Pestizide. Sie erfordert viel Zeit und große Achtung vor der Natur. Sie muss von uns, den Konsumenten, gut honoriert werden. Gute Lebensmitteln zu erzeugen ist ein Knochenjob, häufig an sieben Tagen der Woche. Fazit also: Gutes Essen kostet weil viel harte Arbeit drinsteckt.

Holzofen Welzheim Steinofenbrot

Nicht jeder kann Gerdas Brot kaufen. Doch man kann es daheim backen. Der eigene Backofen ist zwar nicht so toll wie ein Holzofen, liefert aber trotzdem Leckeres. Ganz wichtig bei der Eigenproduktion ist die Geduld. Es klappt nicht immer sofort, Lehrgeld muss bezahlt werden. Falls Du (oder Leser*innen) Interesse an Rezepten für den Backofen hast, sage bitte Bescheid.
Ich wünsche uns allen, möge die Handarbeit zurück in die Küchen der Republik finden. Egal, ob es Backen, Tee- oder Kaffee brühen, Dörren oder Fermentieren ist. Diese selbst eingebrachte Energie und Zeit sind Teil des gesunden Lebens und keine Pseudoprodukte aus großen Fabriken der globalen Welt.
Ich bin es mir wert gesunde Nahrungsmittel zu essen und genießen. Ich nehme mir die Zeit, mein Essen alleine zu kochen. Weil ich es kann.
Küsschen, Mama.

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