Frau Stromponsky sr., Nachhaltigkeit
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Das elfte Gebot: SALE

Sale Endemittezwanzig

Liebe Marla,
ich habe mir gestern eine kleine Auszeit gegönnt. Raus aus der schwäbischen Provinz, rein in die Metropole des Südwestens. Anders ausgedrückt: deine Mutter war zum Shoppen in Stuttgart.
Von der S- Bahn aus nahm ich Kurs auf Karstadt, um günstige Stoffe zu ergattern. Weiß der Kuckuck, ob der Laden nächstes Jahr noch existiert. Ich wollte vorsorgen, um meine Nähleidenschaft im Frühjahr so richtig ausleben zu können.

Im Sale Urwald

Im Kaufhaus angekommen sah ich ein Wald kleiner Täfelchen in rot-weiß mit der Aufschrift SALE. Überall, an Kleiderständern, an Regalen sogar von der Decke hängend. Egal welche Etage oder Anbieter, ich nahm nur noch endloses SALE wahr. Ich gestehe, diese 4 Buchstaben hatten eine stark magnetisierende Wirkung auf mich. Ich ging, nein, ich rannte von SALE zur SALE um etwas total günstiges zu finden und dann als die Trophäe mit der S-Bahn nach Hause zu transportieren. Zu Hause angekommen, könnte ich sofort meine Schwester Dorota anrufen, von dem Jagderfolg berichten und sich über ihren Neid insgeheim freuen. So der Plan.
Es kam anders. Ich lief zwei geschlagene Stunden durchs Kaufhaus, wühlte, suchte, probierte und fand gar nichts. Das angebotene SALE entsprach nicht im Geringsten meinen Vorstellungen, weder qualitativ noch preislich. Die Stoffe habe ich total vergessen, da vom SALE umprogrammiert.

Erst mal Maultaschen

Leicht unzufrieden mit dem Verlauf des Vormittages beschloss ich mich im Restaurant der Markthalle von meiner Gereiztheit zu verabschieden. Ich genoss dort eine groooooße Portion Schwäbische Maultaschen, 3 Kugeln Vanilleeis mit Schlagsahne und einen Milchcafe. Gott sei Dank gab es hier kein SALE. Ein Versprechen auf ein Wunder, dass doch im Nirwana endet.
Zuhause angekommen und total kaputt stellte ich folgendes fest: Ich opferte 7 Stunden meiner kostbaren Lebenszeit (Reisezeit incl.) um nichts zu erledigen, mich zu ärgern und viel zu viel zu essen. „Hirn wo wohnst du? Gib mir deine Adresse!“

Kafkaeske Nachtruhe

Um 21 Uhr fiel ich müde ins Bett. Meine Füße brannten, meine Hüften dankten für die waagerechte Lage und die vorgewärmte Matratze. „Viel Schlaf wird mich ins normale Leben zurück katapultieren“. Ich ahnte nichts von dem, was mir bevorstand.
Im Traum reiste ich wieder nach Stuttgart. Die S-Bahn war voller Menschen mit Schildern in der Hand. Darauf stand in rot-weiß: SALE. Auch ich hielt so ein Ding. In Stuttgart angekommen liefen wir zu Karstadt. Am Eingang schrie ein junger Mann “ SALE, SALE….“ Und prüfte, ob alle das SALE- Schild dabei hatten. Ein anderer verteilte Rucksäcke. Ich lief wie ferngesteuert durch die Etagen, griff ohne zu denken in die Wühltische, stopfte alles in den Rucksack. Der Rucksack erreichte die Größe eines Zeppelins, nichts mehr passte rein. Und der Mann schrie immer noch „SALE, SALE“. Ich konnte diese Einkaufslast nicht mehr tragen. „Was mache ich jetzt, ich muss noch zu Kasse, aber wie? Mit diese Bombe auf dem Rücken“, dachte ich verzweifelt. Ich ließ mich auf den Boden des Kaufhauses fallen …und erwachte im eigenen Bett. Schweißgebadet und noch kaputter als am Abend davor. Der Wecker zeigte 4.45 Uhr.
Wenn ich zu den bereits verplemperten sieben Stunden noch die 7,45 von der Nacht dazurechne … Kind, das 11 Gebot funktioniert sogar im zarten Alter von Endemittefünfzig.

Kein SALE mehr für mich

Meine nächste Auszeit verbringe ich mit meiner Freundin Susanne. Wir gehen ein Stündchen spazieren. Im Wald. Mit Vögeln, Bäumen und herrlicher Ruhe. Anschließend essen wir im „Goldenen Huhn“ eine Kleinigkeit. Wenn ich dann um 21 Uhr ins Bett falle, kann nicht viel passieren, höchstens noch mal eine Runde im Wald.
Küsschen, Mama.

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