Schwerpunkte
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Cool, cooler, langweilig.

Klischee

Eine meiner absoluten Lieblingsserien der letzten Jahre ist eindeutig „Happy Endings“. Die Serie wurde nach drei Staffeln vollkommen unverdient abgesetzt. Gleich in einer der ersten Folgen der ersten Staffel geht es um Hipster und wie man eigentlich cool wird. Natürlich ist es ein Diss auf alle Hipster, weil Hipster schon vor sechs Jahre uncool waren und wir sie verachtet haben, obwohl wir längst schon selbst angehipstert waren. Penny, eine der Hauptfiguren, verguckt sich in einen Hipster.  Um ihn zu beeindrucken, unterläuft sie einen Hipster-Crashkurs bei ihrem besten Freund Max.  Es gibt vier elementare Regeln:

#1 „Never try. Never put effort in anything“ (Stecke ja nie zuviel Aufwand in irgendetwas)
#2 „Only like things ironically“ (Alles darf Dir nur ironisch gefallen)
#3 „Never show too much enthusiasm“ (Zeige nie zu viel Enthusiasmus)
#4 „Everything is dumb“ (Alles ist doof)

Ich sah die Episode vor einigen Wochen zum x-ten Mal und fand sie wie immer toll. Dann las ich zufällig einen Artikel von Mercedes Lauenstein (deren Artikel ich immer sehr gerne lese, weil sie meistens tolle und schlaue Dinge schreibt. Und auf splendido auch noch hervorragende Rezepte veröffentlicht) darüber, dass die Coolness uns davon abhält das zu tun, was wir wirklich tun möchten. Sie zitierte wiederum den Philosophen Andreas Urs Sommer (von dem ich jetzt Fan bin, weil er so einen zugänglichen Artikel über Philosophie geschrieben hat). Er ist der Meinung, dass Coolness heutzutage umso cooler ist, desto mehr sie sich der absoluten Ideologie- und Überzeugungsabstinenz annähert. Stimmt, dachte ich. Schließlich bin ich die erste, die sich vor Fremdscham krümmen muss, wenn alternativ gekleidete Menschen mit geschlossenen Augen verzückt von ihrer Überzeugung reden, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Cool sieht für mich anders aus. Meistens mache ich dann furchtbar zynische Bemerkung, dann geht es wieder.

Spaßbremse Coolness

Dachte ich zumindest. In letzter Zeit macht mich dieses ironische Rumgehipstere aber immer weniger an, weder bei mir noch bei anderen. Ich habe das mittlerweile lange genug durchexerziert um zu wissen: Es ist furchtbar anstrengend. Und eine enorme Spaßbremse. Im Freundeskreis, in der Liebe, auf Arbeit – alles ist easy, alles unverbindlich, immer schön ironisch, Hauptsache cool. Ich möchte das nicht mehr. Ehrlich gesagt habe ich die Schnauze voll von all dem ironischen Gelike und dem am Ende überhaupt nicht wissen, was die Person vor dir eigentlich gut findet. Oder auch scheiße findet, denn natürlich darf man Dinge weiterhin scheiße finden. Wenn unsere größte Angst im Leben ist, ein wandelndes Klischee zu sein und das Antidot darin besteht, alles aus großer emotionaler Distanz zu belächeln, für lächerlich zu befinden und schweigend neben der Tanzfläche zu stehen, dann befreie ich mich lieber von der Angst. Denn ja, ich lese gerne uncoole Science-Fiction-Romane, ich schaue unironisch Rom-Coms und ich höre manchmal einfach gerne fetzige Popmusik, weil das meine Stimmung beim Hausputz hebt. Ich möchte ein Leben mit Enthusiasmus und Freude und vielleicht auch etwas Naivität, alles, bloß nicht mehr diese ätzende Distanz, diese coole Wesenskühle, die eigentlich so gar nicht cool ist und mittlerweile nur noch unsicher auf mich wirkt.

Sei einfach Du selbst – nur in unironisch

Wisst Ihr was wirklich cool ist? Keine Angst davor zu haben, sich selbst zu sein. Wenn man noch nicht so genau weiß, wer man selbst ist, was bei unserer Generation ein ernstzunehmendes Problem ist, dann reicht es ja schon, das zu machen worauf man Lust hat, anstatt das zu machen was die Coolness de jour einem gebietet. Denn das Diktat der Coolness ist eine tückische Geliebte: Was heute noch in ist, ist morgen schon out. Als präventive Maßnahme einfach null emotionalen Aufwand irgendwo reinzustecken und lieber mit den Schultern zu zucken, ist unsexy. Ich wollte es eigentlich nicht, aber ich merke gerade, ich komme nicht drumherum, weil so schön wie Tocotronic hat das seitdem nie wieder jemand ausgedrückt: Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Nicht weil ich Jugendbewegungen besonders cool finde, sondern weil Jugendbewegungen Ideale haben. Und es darf vollkommen unironisch, mit Überzeugung und vor Leidenschaft geschlossenen Augen energisch dafür eingetreten werden.

Zwischen Penny und dem Hipster hat es dann übrigens doch nicht geklappt, weil er unverständlich fand, dass sie und ihre Freunde sich für seine „90er Jahre Bar Mitzwa“ Party dem Motto entsprechend verkleidet haben. Hallo? Verkleiden ist doch voll cool!

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