Gewässer
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Ahoi! Die Frau, das Zen und das Meer

Die eigentliche Gefahr beim Segeln sind im Grunde genommen nicht das Meer, Piraten und Sturmwellen, sondern die Mitreisenden. Wer sich 6 Tage lang eine 6qm große Kajüte mit drei anderen Menschen teilt, findet schnell heraus aus welchem Holz die eigenen Grenzen in bezug auf Privatsphäre sind.

Ich hatte die Gelegenheit das am eigenen Leib herauszufinden, denn ich heuerte eine Woche auf einem Segelschiff im Wattenmeer als Leichtmatrosin an. (Na gut, der journalistischen Blogger-Ethik zuliebe sollte ich wohl klarstellen, dass ich eigentlich 200 Euro bezahlt habe, um auf einem Segelschiff zu urlauben und „bei leichten Segelmanövern“ Hand mit anzulegen.)

Auf dem Segelschiff begegnete ich einem Ich, das bislang noch nicht kannte: Ich ging mit den Kindern Krebse jagen (normalerweise drücke ich mich immer vor den Aktivitäten mit Kindern). Ich sang eine Stunde lang ein Medley aus „Summ Summ Summ“ und „Backe Backe Kuchen“ (Ich hasse Singen. Und diese Lieder). Ich ging fröhlich jeden Tag sehr früh schlafen und stand sehr früh auf (Eigentlich ist alles daran falsch). Ich war total ok mit einem eklatanten Mangel an Privatsphäre (Ich bin ein einsamer Wolf). Ich aß wie ein Scheundrescher beim Frühstück (Normalerweise bin ich nach einem Joghurt voll). Ich versuchte nicht mich vor körperlicher Arbeit zu drücken (Sehr ungewöhnlich). Ich lag stundenlang entspannt auf Deck herum und  machte nichts (Ich bin eher so ein Workaholic).

Ich verstehe zwar nicht, wie Kolumbus samt Mannschaft auf einem Segelschiff monatelang durch Ozean segeln konnten ohne vollkommen den Verstand zu verlieren (wir hatten auf unserem Schiff wenigstens noch Duschen und elektrisches Licht. Kolumbus hatte nur Skorbut). Aber ich verstehe nun, dass es wichtig ist, sich manchmal komplett aus dem Alltag rauszunehmen, zu entspannend und einfach aufs Meer zu starren. Das ist nämlich das Rezept für einen Urlaub, bei dem man wirklich traurig ist, wenn er zu Ende geht.

Wie früher – nur mit Bier

Als modernen Stadtmensch nehme ich meine Mahlzeiten meistens mit meinem liebsten Tischgenossen Netflix ein. Mein körperliche Betätigung beschränkt sich leider sehr oft auf das Sitzen im Bürostuhl und einen kurzen Spaziergang zum REWE in der Mittagspause. Dabei gibt einem ein Abendessen mit zwanzig Menschen nach einem Tag voller salziger Meeresluft und harter ehrlicher Arbeit einen ganz besondere Art der Befriedigung. Das letzte Mal, das ich mich dermaßen begeistert in die Hände eines durchregulierten Tagesablaufs und begrenzten Geländes begeben habe, war zu Zeiten von Ferienlagen und kindlicher Unschuld. Genau wie damals ist auf einem Schiff alles geregelt: Frühstück, Mittagessen, Abendessen und das Programm zwischendurch besteht oft einfach in der Gesellschaft der anderen. Und das zusammen essen, arbeiten, chillen und schlafen schafft (ebenfalls wie im Ferienlager) eine besonders Art der Verbrüderung, die am besten mit einem Bier auf Deck mit Blick auf den Sonnenuntergang gekrönt wird.

Die Seewölfin in mir ruht nun – bis zum nächsten Sommer, wenn sie vielleicht wieder Seeluft schnuppern wird und die Weltmeere (oder halt das Wattenmeer) unsicher machen wird.

3 Kommentare

  1. Das hört sich wirklich nach einer interessanten Woche an. Für mich ist Schiff fahren leider nicht so dolle, denn sobald es steht, wird mir immer übel. Mein lieber Schwiegervater hat ein Segelschiff und ich habe ihm bereits mehrmals aufs Deck gegöbelt. Dabei finde ich es eigentlich toll auf der hohen See unterwegs zu sein. 🙂

    Viele Grüße
    Rebecca

    • Marla Stromponsky sagt

      Hallo Rebecca,

      das Wattenmeer hat zum Glück einen sehr leichten Wellengang, ist also gut für Anfängerinnen geeignet 😉 Wir hatten einige in der Gruppe, die normalerweise schnell seekrank werden und keine Probleme hatten, so lange sie nur auf Deck blieben und den Horizont sehen konnten (das hilft anscheinend).

      Viele Grüße!

  2. Pingback: Marla reist: 30 Stunden Zürich - Endemittezwanzig

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